Stolz

– bin ich auf etwas, was ich selbst, alleine oder mit Hilfe von jemand anderem geleistet habe.

Etwas, worin ich Arbeit gesteckt habe, was ich erschaffen habe. Etwas, was vorher da war und was ich verbessert habe. Darauf kann ich stolz sein.

Ich kann stolz sein auf meine Brüder und Schwestern, die tolle Menschen geworden sind.
Die es geschafft haben, allen Widrigkeiten zum Trotz, gute Eltern zu werden und die wiederum Kinder groß ziehen, auf die sie stolz sein können.

Ich kann auf meine Geschwister stolz sein, die trotz ihrer Höhen und Tiefen im Leben, doch auf einen Weg gekommen sind, auf dem es für sie weiter geht und ich kann stolz darauf sein, wenn ich dazu einen Beitrag geleistet habe.

Ich bin stolz auf meine gedanklichen Ergüsse hier. Auch wenn sie in der riesigen Sanduhr der Zeit nicht mehr als einen sandkorngroßen Fleck auf einem Sandkorn ausmachen. Ich kann darauf zeigen und sagen „das habe ich gemacht!“

Ich kann stolz darauf sein, dass ich die Disziplin und die Ausdauer bewiesen habe, einen Marathon gelaufen zu sein. Ich kann stolz darauf sein, dass ich meinen Körper so gepflegt habe, dass er dieser Strapaze stand hält.

Ich kann von Glück reden, dass ich einen Körper bekommen habe, der die Voraussetzungen dafür hatte.
Ich kann von Glück reden, dass ich gute Gene geerbt habe und diese wiederum gut aus unzähligen Generationen weiter gegeben worden sind, die sich immer vermischt haben, um schließlich mich zu ergeben.

Darauf kann ich nicht stolz sein. Das war Glück.

Ich kann von Glück reden, dass ich hier geboren worden bin. Dass meine Eltern hierher gekommen sind und hier eine bessere Zukunft für sich und ihre Kinder gesehen haben und diese Chance ergriffen haben.

Ich kann von Glück reden, umgeben zu sein von lieben Menschen, die sie in diese Welt, in diese Umgebung gesetzt haben, so dass wir alle voneinander etwas haben.
Auch ihre Eltern haben sich vor kurzer oder vor langer Zeit dazu entschlossen hier zu bleiben.

Unser großes Glück.

Unser großes Glück, dass wir unser Glück erkennen und nicht verkünden stolz auf etwas zu sein, was uns zugefallen ist. Wir sind nicht stolz hier zu leben oder hierzu zu gehören. Wir sind glücklich und froh darüber, dass wir hier sind. Daran haben wir nichts getan. Das ist das Feld auf dem großen Spielfeld, auf dem wir anfangen durften zu laufen. Dafür habe ich nichts getan.

Ich bewundere das, was andere Menschen hier und überall geleistet haben und strebe an, meinen Teil dazu beizutragen, damit andere auch das Glück haben hier gut leben und sich daran erfreuen zu können.

Darauf ein (Nationalität) zu sein kann ich nicht stolz sein. Dafür habe ich nichts getan.

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Mehr Freizeit für alle!

Die heutigen Ausgabe der Serie ,,gute Neigkeiten” beinhaltet die Freude über den Stand der Technik und wie sich das auf unsere Arbeit auswirkt.

Im Jahre 2019 sind wir technologisch so weit, dass wir einen Großteil der schweren, körperlichen und uns Menschen krankmachenden Arbeit, von Maschinen erledigen lassen können.
Der Traum, der Generationen vor uns über Jahrtausende antrieb, ist in Erfüllung gegangen und wir können uns endlich auf uns und unser Leben konzentrieren.

Seit es uns Menschen gibt, sind wir darum bemüht, uns Arbeit zu vereinfachen. Weil sie entweder zu schwer, zu gefährlich oder schlicht zu langweilig ist.
Das äußerte sich beim frühen Menschen in der Weiterentwicklung von Waffen zur Jagd oder Werkzeug zum Spalten einer Kokosnuss oder Heben eines Steins oder zum Hobeln eines Holzstücks… was du möchtest.

Wir sind so weit gekommen, dass wir nur noch Knöpfe bedienen müssen und diese dazu führen, dass große Apparate sehr viel genauer das machen, was wir vorher mit mühevoller Arbeit und viel Zeitaufwand selbst erledigen mussten.

Wir brauchen keinen Stellmacher oder Wagner, der Räder mit Speichen versieht und hierfür lange braucht. Es gibt Maschinen, die das mit einer für Menschen unmöglichen Präzision erledigen. Die Menschen, die das machen mussten, haben nun Zeit sich anderen Dingen zu widmen.

Wir brauchen keine Setzer und Drucker mehr, die unsere Zeitungen setzen bevor sie in den Druck gehen. Diese Dinge geschehen heute am Bildschirm eines Computers sehr viel genauer und mit keiner Berührung mit giftiger Druckerschwärze. Diese Menschen können sich heute mit schönen Sachen beschäftigen.

Wir benötigen keine Menschen mehr in großen Fabrikhallen, die schwere Teile für den Fahrzeugbau transportieren. Das wird heute alles mit Schaltern, Knöpfen und Hebeln durch viel weniger Menschen gemacht und die Menschen, die dort arbeiteten verletzen sich nicht mehr an gefährlichen Maschinen oder durch schwere Teile.

Die Fließbänder, an denen Menschen saßen, die eintönige und unnatürliche Arbeit taten, werden größtenteils von Robotern bewacht und die Menschen, die dort saßen, können sich auf Dinge fokussieren, die ihnen mehr Freude machen.

Der nächste Schritt wäre nun diese Freiheiten und Errungenschaften als solche zu erkennen und uns darüber zu freuen, dass wir so weit gekommen sind. Der Darauf folgende Schritt wäre dann, aus dieser Freude Energie für etwas neues zu schöpfen, statt an Dingen festzuhalten, die nicht mehr gebraucht zu werden, um beschäftigt zu sein.

Leben ist Bewegung. Bewegen wir uns.

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Kochbuch 02

Die hier erzählte Geschichte und alle dazugehörigen Teile, sind frei erfunden. Jedwede Ähnlichkeit zu real existieren Menschen oder Ereignissen ist zufällig. Der Anfang dieser Geschichte ist hier zu finden: Kochbuch 01

Alle beugten sich der despotischen Herrschaft des Patriarchen und seiner Handlanger, der Söhne. Es gab keinerlei Widerstand in dem Haushalt, in dem meine Ex aufgewachsen ist. Die Söhne durften am schulischen und gesellschaftlichen Leben teil haben, die Töchter nicht. So war es in ihrer Welt einfach. Widerstand wurde mit Gewalt erstickt und da, wo die Religion nicht als Totschlagargument funktionierte, weil sie diese Umstände nicht stützte, wurde sich auf die Sitten und Gebräuche berufen.

Vielleicht höre ich mal auf, sie immer nur „meine Ex“ zu nennen. Ihr Name ist Hagar. Die Hoffnung für sie, ihren heimischen Umständen zu entfliehen, bestand in der Flucht durch Heirat.

Einfach ohne zu heiraten abhauen, kam für sie nicht infrage. Die Angst davor, dass die Familie sonst gewalttätig gegen sie sein könnte und eventuell auch gegen den Menschen mit dem sie flieht, hier also mich, war zu groß und eine Heirat sollte das verletzte familiäre Ehrgefühl zumindest dämpfen.

Nach unserer amtlichen Eheschließung, mehr war es nicht, war aber die Sorge und Angst nicht weg. Genauso wenig war anscheinend die Ehre ihrer Familie geschont geblieben. Am selben Abend noch begannen sie damit nach uns zu suchen. Und noch am selben Abend veranlassten wir eine Auskunftssperre bei der Polizei.

Ich war ihr zweiter großer, und bis dahin längster Fluchtversuch. Bevor ich kam, hatte sie schon etliche vorsichtigere Versuche unternommen. Sechs Mal hatte sie sich verlobt und zwei Mal eine islamische Trauung probiert, um auf diesem Weg dort heraus zu kommen. Die Herren, die es vor mir versucht hatten, hatten allerdings entweder nicht die Geduld oder nicht den Willen diesem gebrochenen Menschen zu helfen. Das ist aber Spekulation.
Sie erzählte mir während unserer Ehe, dass sie den Respekt vor manchen Herren verloren hatte, die sich genau wie sie selbst, von ihrer Familie einschüchtern ließen. Darauf verließ sie diese Männer, die sich nicht als die Ritter erwiesen, die sie in ihnen zuerst gesehen hatte und suchte woanders weiter.

Dass in einer Partnerschaft kein Platz für Gewalt jedweder Art ist, war und ist für mich selbstverständlich und das wollte ihr auch zeigen. Mein Glaube an das prinzipiell Gute im Menschen war Antrieb und ich wollte das bei ihr zutage fördern, es kultivieren. Hoffend, glaubend, wissend, dass in diesem Menschen auch etwas Wunderbares steckt – stecken muss!

Wenn sie mich ließ, wollte ich ihr die Liebe geben, die ihr in ihrem bisherigen Leben gefehlt hatte und die jeder Mensch zum Leben braucht.
Wenn sie mich ließ, wollte ich ihr dabei helfen, sich von den Taten ihrer Familie loszusagen. Wenn sie mich ließ, wollte ich ihr und mir beweisen, dass Kinder nicht die Fehler der Eltern erben und auch nicht danach gerichtet werden dürfen.

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Kochbuch 01

Die hier erzählte Geschichte und alle dazugehörigen Teile, sind frei erfunden. Jedwede Ähnlichkeit zu real existieren Menschen oder Ereignissen ist zufällig.

Ich komme nicht umhin, Mitleid mit dieser Frau zu verspüren. Jetzt, wie damals.

Selbst nach all den Dingen, die sie mir angetan hat und immer noch antut. Sie ist, wenn ich ihre Vergangenheit und ihr bisheriges Leben in Betracht ziehe, nur das Produkt schlimmer Einflüsse. Und mein Mitleid und meine Empathie sind wahrscheinlich die Gründe dafür, dass die Dinge sich so entwickelt haben, wie sie es taten.

Mein Name ist Tamim Koch – naja, zumindest sage ich das hier mal so – und in dieser Geschichte … ich möchte davon erzählen … Inhalt soll sein … ich weiß nicht, wie ich es sagen soll.
Mein Thema hier ist, was ich mit meiner Exfrau erlebe und erlebt habe. Im Bezug auf unsere Ehe, unserer beider Migrationshintergrund, die Geschichten, die ich in diesem und auch einfach in ihrem persönlichen Zusammenhang ohne irgendwelche migrationsspezifischen Gründe – erlebe.

Es fällt mir schwer den richtigen Anfang zu finden aber irgendwo muss ich beginnen also nehme ich das, was ich als Beginn empfinde:
Wir haben in einer Nacht- und Nebelaktion geheiratet.
Nicht aus Liebe, wie es manch ein Romantiker sich jetzt vielleicht vorstellt, sondern weil sie aus ihrem Elternhaus fliehen wollte, musste.

Ich sollte sie, die Frau, die ich an einem Dienstagnachmittag ehelichte, vielleicht vorstellen und auch wenn ich mich sehr bemühen muss nicht zu werten, werde ich nicht umhin kommen, dass es sicher etwas gefärbt ist.

In ihrem Elternhaus hat sie nie Liebe, sondern nur Gewalt und Intrigen erfahren. Gewalt durch ihre Eltern, an sich und ihren Geschwistern, Gewalt der Eltern untereinander, Gewalt durch und an Verwandten oder aus der Gesellschaft. Verbal wie physisch. Einen lieblosen Haushalt, in dem rücksichtslos geprügelt und geschimpft wurde, ungeachtet des Alters, Geschlechts oder sogar bestehender Schwangerschaften.

Ein Haushalt, in dem Worte wie „Ehre“ und „Respekt“ verdreht und zu autoritären Zwecken missbraucht wurden. Wo es galt, die Tochter zu prügeln, wenn sie auf dem Schulhof mit einem Jungen gesehen wurde – um
„die Ehre“ zu verteidigen.

Bevor ich sie kennengelernt hatte, war ich der Ansicht, dass es derartige Familien nur im Film gibt oder vielleicht in armen, ländlichen Gegenden, wo die Menschen keinen Kontakt zur Außenwelt pflegen, keine Einsicht in gesellschaftliche und moralische Vorstellungen haben, ungebildet sind. Eltern beschimpfen sich doch nicht gegenseitig. Oder zumindest nicht vor den Kindern. Und geschlagen wird sich im Ring oder, wenn die Parteien nicht besonders kommunikationsstark sind, auf der Straße. Aber zu Hause? Nein, wirklich nicht. Des Weiteren überlegte ich mir, wenn diese Sachen zustimmen sollten, so hat sie mir zu verstehen gegeben, dass es ihre Familie, unter der sie stark gelitten hat. Ich war der Ansicht, ich muss sie aus dieser Welt retten. War ich naiv? Vielleicht.

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Didüdeldü

Wenn ich diesen Platz schon mal habe, nutze ich ihn natürlich auch für Dinge, die mir Freude machen. Dazu zählen nicht nur sprachliche Beobachtungen oder Sprache überhaupt, sondern meine Leidenschaft für Videospiele.

Wer in den 80ern und 90ern aufgewachsen und dem Thema nicht abgeneigt ist, für die sind es die 8bit und 16bit Generationen, die mit der meisten Nostalgie verbunden sind. Das Super NES von Nintendo weckt bei mir dabei hauptsächlich diese von Erinnerungen begleiteten Gefühle an meine Kindheit.

Mit dem Joypad in der Hand bin ich durch bezaubernde Welten gehüpft, wandelte mit Schwert und Schild durch Wälder und Verliese um mal wieder eine Prinzessin zu befreien, Vampire und Zombies zu killen, in ferner Zukunft mit Hover-Fahrzeugen halsbrecherisch schnell zu rasen und nicht zu vergessen gelegentlich auch mal dem Klempner für den Igel fremd zu gehen.

Ein wichtiger Faktor in all der Nostalgie ist für mich die Verknüpfung mit der Musik: die Musik der damaligen Systeme übt auf mich einen besonderen Zauber aus. Nicht nur wegen der Assoziationen mit entsprechenden Erinnerungen. Ich bewundere auch bei Stücken, die ich nicht mit einer Erinnerung verknüpfe die Fähigkeit derer, die damals mit so geringen Mitteln so schöne Musik erzeugen konnten.

Die Mittel waren insbesondere durch die technischen Gegebenheiten beschränkt. Haben Video-Spiele heute, ebenso wie jeder Blockbuster-Film längst die Orchester auch zur musikalischen Untermalung eingenommen, galt es damals aufgrund von Platzmangel und eben der technischen Grenzen, eine Idee so gut es ging zu verwirklichen.

So klingt die Musik aus einem NES für die einen wie schreckliches gepiepse, für andere und mich jedoch ist das, je nach Komponist und Stück versteht sich, Musik, die ich mir im Hintergrund während ich einen solchen Post verfasse auch anhöre. Oder beim Sport oder während ich im Zug sitze oder wenn ich Umgebungsgeräusche überdecken will.

Mittlerweile gibt es auf dem Segment unglaublich viele Fans und Menschen, die die Freude daran teilen und ich habe das Glück und die Ehre Teil eines Podcasts zu sein, in dem wir uns sowohl über Musik in Video-Spielen, als auch über Filmmusik unterhalten.

Willst du also mal hören, wovon hier die Rede ist oder dem Klang meiner und der Jungs Stimme lauschen, mit denen ich das mache, während wir Unsinn reden und manchmal auch interessantes Zeug über Filme und Spiele und Komponisten, hör in den Podcast: Broken Chair Scores

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Deine Entscheidung

Ich werde im Bezug auf meine Posts manchmal gefragt, ob ich das wirklich so sehe, wie ich es schreibe oder ob ich nicht vielleicht ein bisschen übertreibe.

Auf diese Frage hin bin ich immer ein bisschen verdutzt.

Gerade von Freunden und Bekannten erwartet man ja nicht unbedingt, dass sie Wahrheitsgehalt oder Ernsthaftigkeit der geschilderten Dinge infrage stellen.

Um das zuerst aus dem Weg zu räumen: es geht hier nicht um das Thema Meinungsäußerung. Das steht auf einem anderen Blatt. Hier geht es konkret um meine Beobachtungen im Bezug auf das Verhalten der Menschen mir und meiner Familie gegenüber. Besonders natürlich vor dem Hintergrund, dass wir nicht deutschstämmig sind.

Die Antwort auf die Frage: Nein, ich ziehe mir hier keine Geschichten aus den Fingern und wenn ich fiktionale Geschichten verfasse, kennzeichne ich diese entsprechend.

Nun kann ich nicht ganz verstehen, woher dieser Zweifel rührt aber ich vermute, dass viele Menschen nicht glauben können oder wollen, dass es wirklich so schlimm sein soll.

Hierbei ist auch nicht zu verachten, dass es sehr schwer fällt, sich in andere Menschen hinein zu versetzen, wenn es sich dabei um etwas so abstraktes handelt wie „Fremdsein“.

Ich erinnere mich daran, dass mir meine Schwestern im Jahrzehnt 2000 – 2010 etwa, öfter von Anfeindungen berichtet haben, die sie erleben mussten.

Sie waren diesen Dingen schon sehr früh ausgesetzt, weil sie sich sehr früh dazu entschlossen haben das Kopftuch zu tragen.

Bei mir sah die Sache anders aus, da ich optisch nicht so einfach auffalle.

Also tat ich diese Berichte damals ab, belächelte sie und erklärte meine Schwestern für überempfindlich. Ich sagte ihnen, dass es sich hier um eine „self-fulfilling prophecy“ handle. Eine Prophezeiung, die sich also selbst erfüllt, weil man dauernd nach Hinweisen sucht, die zur Bestätigung der eigenen Ansicht oder Befürchtung beitragen. Für mich gab es diese Erlebnisse nicht und es gehörte ins Land der Einzelfälle.

Das funktioniert so lange, bis man selbst Opfer einer Diskriminierung und Anfeindung oder Zeuge von etwas derartigem wird.

Die Sensibilität dafür steigt und die Scham dafür, dass man dem Menschen, der das erleben musste, nicht geglaubt, ihn gar ausgelacht hat, ebenfalls.

Im Jahre 2019, in dem ich diesen Post schreibe, sind die Dinge in dieser Hinsicht leider schlimmer geworden.

Die Gründe hierfür sollen hier nicht Thema sein – vielleicht in einem anderen Post.

Fakt ist, dass auch ich in den vergangenen Jahren das Spektrum von der harmlosen Freude darüber, dass ich deutsch spreche, bis hin zu Aussagen wie „hört auf euch fortzupflanzen“ im Bus und der Zurückweisung aufgrund des arabischen Namens in meinem Ausweis alles erlebt habe.

Ich erfinde und übertreibe nicht.

Und es geht mir auch nicht um Berichte in diesem Blog, sondern um Austausch meiner Gedanken und meinem Umgang mit unter anderem diesem Thema. Ich habe meine Gedanken zu den Dingen, die ich schreibe und die möchte ich gerne festhalten und teilen.

Ob du mir das glaubst oder nicht, ob du einfach so Freude daran hast zu lesen, was ich schreibe oder nicht, ob du verfolgst, was ich sage oder nicht, ob du mit mir darüber diskutierst oder nicht … das ist deine Entscheidung.

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The Mind Killer

Eigentlich (oder „einzlisch“, wie man bei uns in Aachen zu sagen pflegt) müsste der Islam gerade unglaublichen Zulauf haben. Er kommt schließlich mit eingebautem Schutzschild gegen terroristische Angriffe, die islamistisch motiviert sind.

Genauso wie eine zusätzliche Versicherung und ein gut gefülltes Girokonto bei einem Flugzeugabsturz davor schützen zu sterben.

Lustig, dass bei dem Satz mit dem Flugzeug direkt jede denkt, dass das absurd ist, bei der ersten Feststellung sich aber scheinbar niemand klar macht, dass es eben nicht so ist.

Ich versuche mal etwas deutlicher auszudrücken, was ich meine:

Beliebt sind ja Attentate, wo jemand sich bewaffnet oder mit Sprengstoff in eine Menschenmenge oder in ein öffentliches Verkehrsmittel hinein läuft. Hoch im Kurs, lange nicht gehabt, sind große Fahrzeuge, die in Menschenmengen gefahren werden.

Die Reaktionen der Hassschreier auf diese Taten lassen ja immer darauf schließen, dass Muslime das erstens super finden, was da im konkreten Fall passiert ist und zweitens selbst keine Angst davor haben.

Jetzt weiß ich nicht, ob ich einfach bisher nur nie davon gehört habe oder man mich nicht in den geheimen Zirkel aufnimmt, wo es die extra Schutzschilde für Moslems gibt. Diese sorgen dann dafür, dass wenn ein Kind muslimischer Eltern, was gerade auf dem Weg zur Schule in ein solches Attentat gerät, vor einer Explosion geschützt ist und einfach weiter auf ihrem Handy das neueste Video ihres Lieblings-Imam auf YouTube weiter schaut. Also so stelle ich mir das vor.

Das Kind steigt dann etwas verwundert über den Tumult aus dem Bus, ist aber unversehrt.

Das funktioniert natürlich nicht, wenn es ein Attentat eines Rechtsnationalisten oder eines sonstig verstörten Geistes ist. Dafür ist das Schild dann nicht ausgelegt. Wäre ja blöd.

Langer Spinnerei kurzer Sinn:

Es ist ein Trugschluss zu denken, Muslime hätten keine Angst vor terroristischen Angriffen oder seien außen vor. Darum ist die Nennung der Motivation hinter dem Angriff eigentlich immer nur etwas, um die Massen gegeneinander aufzuwiegeln. Das Resultat des Attentats bleibt dasselbe und die toten Menschen kommen dadurch nicht wieder.

Wahnsinnige werden nicht dadurch weniger, dass man ihne Herkunft nennt oder sie in eine bestimmte Schublade steckt bzw sie aus einer Schublade holt.

Unsere Angst wird nicht dadurch geringer, dass wir uns dauernd damit befassen, was woanders alles passiert. Sie wird auch nicht weniger, wenn wir ständig und immer wieder hinsehen wie die Hyänen und uns Angst machen lassen.

Auch wird es nichts an den Attentätern ändern, wenn alle mit hochgezogenen Schultern und knirschenden Zähnen durch die Welt laufen. Wahrscheinlich macht das sogar eher mehr.

Unsere Angst wird nicht dadurch geringer, dass wir sie an unsere Kinder weiter geben und ihnen sagen, sie mögen vor „diesen Leuten“ aufpassen, mit denen sie ja zusammen leben.

Unsere Angst wird nur dadurch weniger, wenn wir anfangen uns selbst mehr Raum für Liebe zu gestatten.

Sie wird sich in Luft auflösen, wenn wir statt auf die Angstmacher und Hassprediger zu hören, Liebe und Verständnis für unsere Mitmenschen an unsere Kinder weiter geben.

Diese werden das wiederum an alle Menschen in ihrer direkten Umgebung weiter geben – besonders auch an jene, die sie brauchen, um nicht zu wahnsinnigen zu werden.

Unsere Angst wird sich erst dann auflösen, wenn wir nicht die Augen verdrehen, sobald einer von Liebe für die Mitmenschen und Verständnis für das andersartige spricht. Von wegen „Gutmensch“.

Die Angst wird erst dann aufhören, wenn wir einen Schlussstrich ziehen und nicht mehr sagen „aber die haben angefangen!“.

Die Angst hört auf, wenn wir jene, die vor lauter Angst allen anderen auch Angst machen wollen, damit konfrontieren und sie fragen, ob sie das merken und warum sie das denn wollen.

Unsere Angst wird schließlich erst dann verschwinden, wenn wir aufhören den ersten Schritt von jemand anderem zu erwarten oder versuchen jemanden zu ändern. Geh den Schritt selbst!

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Gutmensch-Schreiberling

In Folge eines meiner Texte wurde ich auf ein Wort hingewiesen, was wohl mittlerweile in den Sprachgebrauch der Menschenhasser und Rechtspopulisten übergegangen ist: „Schreiberlinge“.

Nun bin ich nicht in irgendwelchen sozialen Netzwerken unterwegs und kenne den aktuellen „hate speech“, der dort kursiert nicht. Eben genau deswegen.

Ein Wort, was ich bislang eigentlich wertfrei genutzt hatte.

Was ich aber schon vorher feststellte, war ein komischer Geschmack im Mund, wenn ich das Wort „Alternative“ in einem Satz nutzte.

Wenn mir das auffiel, zögerte ich meist einen Moment, dachte über mein Zögern nach und nutzte das Wort dann trotzdem, weil es mir absurd erschien, hier nach einer → Alternative ← zu suchen.

Warum das ungute Gefühl?

Das rechte Spektrum unserer Politik eint seit jetzt etwas über fünf Jahren alle Hassprediger, Missgünstlinge, Neider und Blender unter dem Parteinamen „Alternative für Deutschland“. Natürlich verkaufen sie da diese „Alternative“ als Lösung für alle Probleme, die wir als Gesellschaft so haben und liefern direkt einen Schuldigen bzw. eine schuldige Menschengruppe mit. Egal, ob es nun ganz klassisch die Arbeitslosigkeit oder ein verstopfter Abfluss ist. Aber das ist nun nicht das, worauf ich hinaus will.

Das eben geschilderte Gefühl hat bei mir unter anderem dazu geführt, dass ich mir überlege, ob ich mir davon nun Wörter, die ich bislang genutzt habe, aus meinem Wortschatz streichen lassen möchte.

Mein Entschluss ist, dass ich mir diese Wörter nicht nehmen lasse.

„Linksgrünversifft“, wenngleich es ein Neologismus genau dieser hässlichen Menschen ist, hänge ich mir stolz an mein nicht vorhandenes Wappen. Ebenso „Gutmensch“ und all die anderen begriffe, die allein durch die Erwähnung durch diese Vollzeitneider zu Abfälligkeiten werden.

So werde ich auch weiterhin das Wort „Schreiberling“ unkonnotiert als Synonym für jemanden nutzen, der in einer Redaktion arbeitet oder sonst beruflich oder in ihrer Freizeit schreibt. Also auch für mich. Wenn ich denn mal ein Synonym brauche.

Ich werde mir nicht immer mehr Worte mit Kot beschmieren lassen, weil diese Leute sie mit ihren braunen Fingern anfassen.

Ich bin ein linksgrünversiffter Gutmensch-Schreiberling und das ist auch gut so!

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Egozentrik

Ich bin wohl das, was man heute so schön als „Migrantenkind“ umschreibt.

Also unter anderem – derzeit ist das allerdings das Spiegelbild, was mir im öffentlichen Leben vorgehalten wird.

Was bin ich eigentlich noch?

Geboren 1979 in Aachen, und ebenda aufgewachsen.

Abi auf dem zweiten Bildungsweg gemacht, Wehrdienst geleistet, Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration abgeschlossen und auf dem Gebiet 15 Jahre als System- und Netzwerkadministrator gearbeitet.

Ich bin Erstgeborener von fünf Kindern meiner Eltern, die aus den besetzten Gebieten Palästinas stammen.

Ich bin sprachenvernarrt und literaturverliebt.

Ich bin vorsichtig geworden mit dem, was ich sage und wie ich es sage.

Ich bin jemand, der gerne auch mal um Entschuldigung bittet, wenn ich die Gefühle eines anderen verletzt habe.

Ich bin Weltenbürger und Aachener – mit Leib und Seele.

Ich bin eine körperliche wie geistige Symbiose aus Orient und Okzident.

Ich konsumiere Bücher, Filme und Serien.

Ich bin Nerd und sammle Spiele und Konsolen und trage das gerne nach Außen.

Ich bin Musiker, zumindest versuche ich mich manchmal als solcher.

Ich bin Musik- und allgemein Kunstliebhaber und trage auch das gerne auf Band-Shirts nach Außen.

Ich erforsche und zeige gerne Welten – nah wie fern.

Ich bin Pazifist und liebe … und liebe.

Ich bin handwerklich völlig unbegabt.

Ich bin ein Helfer bei allem, was ich denke zu können.

Ich bin gerne verständnisvoll und will verstanden werden.

Ich bin privat – also niemand, der „nichts zu verbergen“ hat und gehe mit meinen Daten sparsam um.

Ich bin wohl als „links-grün-versifft“ zu bezeichnen – und das ist auch gut so!

Ich bin Humanist, umweltbewusst, naturliebend.

Ich bin ein glühender Unterstützer der Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Merkel. Auch wenn ich sonst nichts an ihrer Politik oder Partei finden kann.

Ich bin beschämt, dass viele Flüchtlinge und Migranten ihr Bild, und auch das Bild aller hier bereits lange lebenden Migranten schädigen.

Ich bin geduldig.

Ich bin intolerant gegenüber Intoleranz.

Ich bin glücklich darüber, hier geboren worden zu sein und nicht in die Slums von Indien, wo ich mich einer Kaste unterordnen muss.

Ich bin glücklich darüber, hier geboren worden zu sein und nicht in Bangladesch, wo ich höchstwahrscheinlich keine Kindheit gehabt hätte, sondern wohl in einer Fabrik hätte arbeiten müssen.

Ich bin glücklich darüber, hier geboren worden zu sein und nicht in der Heimat meiner Eltern, weil ich oder eines meiner Geschwister sonst wahrscheinlich in unserer Jugend an der Intifada teilgenommen und womöglich getötet worden wären.

Ich bin glücklich darüber das Glück gehabt zu haben in eine Umgebung geboren worden zu sein, in der ich die Option hatte kostenlos Bildung anzunehmen und diese, in meinen begrenzten Fähigkeiten genutzt habe.

Ich bin glücklich darüber, dass ich nicht klage während es mir gut geht und andere Menschen, denen es bedeutend schlechter geht als mir, mehr lachen und fröhlicher sind, als die Menschen um mich, die das selbe Glück hatten.

Ich bin glücklich darüber, dass ich zum Arzt gehen kann, wenn ich krank bin, ohne mir darüber Gedanken machen zu müssen, ob ich das bezahlen kann.

Ich bin glücklich darüber, dass ich die Zeit und Muße habe, mir über mein Glück Gedanken zu machen und mich darüber zu freuen.

Ich bin glücklich darüber, sehen zu können, dass ich so viel Glück habe.

Ich bin all das und werde am Eingang eines Ladens wegen des arabischen Namens in meinem Ausweis nicht eingelassen.

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So-nderschule

Erst waren es die Hassprediger vom Springer-Verlag. Parallel dazu machte es jedwede Regenbogenpresse, sowohl in den Print- als auch in anderen Medien.

Mittlerweile findet man diese Ausgeburt schlechten Schreibstils auch in Artikeln renommierter Zeitschriften und Zeitungen: So schlecht schreiben Deutschlands Redakteure!

Was ist das für eine seltsame Entwicklung mit dem „so“ am Anfang eines Satzes? Was ist das überhaupt für ein Satz?

Das Wörtchen „so“ dient ja vielen Zwecken in unserer Sprache, die gar nicht so (!) hölzern ist, wie sie viele immer finden.

Es lässt sich dort nutzen, wo ich auf etwas zeige:

„Ich möchte nicht so viel Kleingeld!“ oder

„was willst du mit so einem Kerl?!“.

Es kürzt also das Wort „solch“ ab.

Es kann aber auch auf eine Art und Weise deuten:

„Ach, so geht das?“ oder

„Warum machst du das so kompliziert?“

Oder wie oben in meinem Satz, wo ich sagte, dass die Sprache nicht so hölzern ist. Es ist hier etwas nicht derart, wie es dargestellt wird. Meist noch mit der Intention eine andere Aussage, auf die man sich bezieht, damit zu relativieren.

„Es ist alles gar nicht so schlimm, wie du immer sagst!“

Schließlich wird es umgangssprachlich noch genutzt, wo jemand auf die Art und Weise von etwas hinweisen will: „So dicke Eier habe ich … letzte Woche aus dem Hühnerstall geholt!“.

Warum nun aber Schreiberlinge in ganz Deutschland dazu neigen, fast jede Schlagzeile mit diesem Wörtchen zu beginnen, will sich mir nicht recht erschließen.

„So scheiße klingen unsere Schlagzeilen!“

Richtig und stilistisch schöner, liebe Redakteure wäre: „Unsere Schlagzeilen klingen scheiße!“

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