Gutmensch-Schreiberling

In Folge eines meiner Texte wurde ich auf ein Wort hingewiesen, was wohl mittlerweile in den Sprachgebrauch der Menschenhasser und Rechtspopulisten übergegangen ist: „Schreiberlinge“.

Nun bin ich nicht in irgendwelchen sozialen Netzwerken unterwegs und kenne den aktuellen „hate speech“, der dort kursiert nicht. Eben genau deswegen.

Ein Wort, was ich bislang eigentlich wertfrei genutzt hatte.

Was ich aber schon vorher feststellte, war ein komischer Geschmack im Mund, wenn ich das Wort „Alternative“ in einem Satz nutzte.

Wenn mir das auffiel, zögerte ich meist einen Moment, dachte über mein Zögern nach und nutzte das Wort dann trotzdem, weil es mir absurd erschien, hier nach einer → Alternative ← zu suchen.

Warum das ungute Gefühl?

Das rechte Spektrum unserer Politik eint seit jetzt etwas über fünf Jahren alle Hassprediger, Missgünstlinge, Neider und Blender unter dem Parteinamen „Alternative für Deutschland“. Natürlich verkaufen sie da diese „Alternative“ als Lösung für alle Probleme, die wir als Gesellschaft so haben und liefern direkt einen Schuldigen bzw. eine schuldige Menschengruppe mit. Egal, ob es nun ganz klassisch die Arbeitslosigkeit oder ein verstopfter Abfluss ist. Aber das ist nun nicht das, worauf ich hinaus will.

Das eben geschilderte Gefühl hat bei mir unter anderem dazu geführt, dass ich mir überlege, ob ich mir davon nun Wörter, die ich bislang genutzt habe, aus meinem Wortschatz streichen lassen möchte.

Mein Entschluss ist, dass ich mir diese Wörter nicht nehmen lasse.

„Linksgrünversifft“, wenngleich es ein Neologismus genau dieser hässlichen Menschen ist, hänge ich mir stolz an mein nicht vorhandenes Wappen. Ebenso „Gutmensch“ und all die anderen begriffe, die allein durch die Erwähnung durch diese Vollzeitneider zu Abfälligkeiten werden.

So werde ich auch weiterhin das Wort „Schreiberling“ unkonnotiert als Synonym für jemanden nutzen, der in einer Redaktion arbeitet oder sonst beruflich oder in ihrer Freizeit schreibt. Also auch für mich. Wenn ich denn mal ein Synonym brauche.

Ich werde mir nicht immer mehr Worte mit Kot beschmieren lassen, weil diese Leute sie mit ihren braunen Fingern anfassen.

Ich bin ein linksgrünversiffter Gutmensch-Schreiberling und das ist auch gut so!

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So-nderschule

Erst waren es die Hassprediger vom Springer-Verlag. Parallel dazu machte es jedwede Regenbogenpresse, sowohl in den Print- als auch in anderen Medien.

Mittlerweile findet man diese Ausgeburt schlechten Schreibstils auch in Artikeln renommierter Zeitschriften und Zeitungen: So schlecht schreiben Deutschlands Redakteure!

Was ist das für eine seltsame Entwicklung mit dem „so“ am Anfang eines Satzes? Was ist das überhaupt für ein Satz?

Das Wörtchen „so“ dient ja vielen Zwecken in unserer Sprache, die gar nicht so (!) hölzern ist, wie sie viele immer finden.

Es lässt sich dort nutzen, wo ich auf etwas zeige:

„Ich möchte nicht so viel Kleingeld!“ oder

„was willst du mit so einem Kerl?!“.

Es kürzt also das Wort „solch“ ab.

Es kann aber auch auf eine Art und Weise deuten:

„Ach, so geht das?“ oder

„Warum machst du das so kompliziert?“

Oder wie oben in meinem Satz, wo ich sagte, dass die Sprache nicht so hölzern ist. Es ist hier etwas nicht derart, wie es dargestellt wird. Meist noch mit der Intention eine andere Aussage, auf die man sich bezieht, damit zu relativieren.

„Es ist alles gar nicht so schlimm, wie du immer sagst!“

Schließlich wird es umgangssprachlich noch genutzt, wo jemand auf die Art und Weise von etwas hinweisen will: „So dicke Eier habe ich … letzte Woche aus dem Hühnerstall geholt!“.

Warum nun aber Schreiberlinge in ganz Deutschland dazu neigen, fast jede Schlagzeile mit diesem Wörtchen zu beginnen, will sich mir nicht recht erschließen.

„So scheiße klingen unsere Schlagzeilen!“

Richtig und stilistisch schöner, liebe Redakteure wäre: „Unsere Schlagzeilen klingen scheiße!“

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