Selig sind die armen im Geiste

Ich zwinge niemanden meinem Beispiel zu folgen. Diese Verantwortung will ich nicht übernehmen. Siehst du mich einen Marathon laufen und denkst dir, du möchtest das auch, dann freut mich das. Verletzt du dich dann aber dabei, mach mich nicht dafür verantwortlich.

Vorbildfunktion bringt, neben Verantwortung leider oft auch Autorität mit sich. Menschen, die mich als Vorbild betrachten, sprechen mir leider auch eine gewisse Autorität zu. Auch diese will ich nicht haben. Du bist dein eigener Mensch. Mach dir deine eigenen Gedanken und vertritt sie. Sei bereit sie zu korrigieren, wo sie dir fehlerhaft erscheinen und erlaube auch anderen dich auf deine Fehler hinzuweisen. Was heute stimmt, kann morgen schon falsch sein. Sowohl, was das tägliche Leben, als auch was deine Gedanken und Überzeugungen betrifft.

Statt mich als Autorität zu betrachten, gestehe mir doch bitte Empathie zu. Die Fähigkeit mich in deine Lage zu versetzen. So sehr dir meine Lage auch anders der deinen erscheinen mag. Gestehe mir die Fähigkeit zu, dir nicht deine Fehler unreflektiert vor die Füße zu knallen. Gestehe mir zu, dass ich dir nicht weh tun will. Gestehe mir zu, dass ich einschätzen kann, dass ich nichts sage, dass ich dir keine Lösungen vorschlage, von denen ich nicht weiß, ob oder dass du sie umsetzen kannst.

Jede/r die mal den Film „Matrix“ gesehen hat, war sicher ganz erschrocken von dem Bild vor sich hinlebender Menschen, die nichts sind als Arbeitstiere. Vieh, was sich ersetzen lässt. Ein Bild, was dem Wunsch nach Einzigartigkeit und Besonderheit in uns, oder zumindest mir, zusetzt. Ein Bild, was empört und in mir Widerstand weckt. Ich denke, zumindest auch in vielen, die es sehen. Im größten Teil dieser Vielen aber, davon gehe ich aus, ist dieses Gefühl, dieser Wunsch nicht zu dieser gesichtslosen, wertlosen Lebensmasse zu gehören, bald wieder vergessen. Spätestens wenn der Alltag kommt, gibt es wichtigeres als sich mit seinem Leben zu beschäftigen. Leben tut man halt einfach (vor sich hin) und gut.

Und das ist dann der Punkt, an dem Menschen wie ich, die versuchen Vorbilder zu sein, von anderen Menschen mit impliziten oder expliziten Fragen konfrontiert werden. Fragen nach dem Leben, deren Antwort so offensichtlich ist, dass die Frage sich eigentlich erübrigt. Spreche ich die Antwort dann aus, die weder besonderer Intelligenz noch Lebenserfahrung bedarf, spricht man/frau mir gerne die Fähigkeit zur Empathie ab.

Kommt eine solche Frage und ich weise darauf hin, dass zu ihrer Lösung Bewegung notwendig ist, ist die Replik seitens der fragenden Person Trotz, Widerwille und bisweilen Boshaftigkeit. Willst du etwas ändern oder nicht? Es ist die konstante Wahl zwischen der roten und der blauen Pille.

Happyness-Card
Shows a flow-chart with the question "Are you happy?" as a start.
To what it boils down
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Sofismus

Es ist ja nicht so, als hätte ich keine Ideen. Ganz im Gegenteil!

Ich trage sie mit mir herum und je nach Situation in der ich mich befinde, rücken sie mehr in den Vor- oder Hintergrund.

Das Problem: die Couch.

Hat sie mich einmal in ihren Fängen, ist es sowohl mit der Kreativität, als auch mit der Produktivität vorbei.

Jeder gefasste Vorsatz sinkt hier zuverlässig in die Kissen ein, denen ich mich hin- und ergebe und nähren das darin lebende, fette Prokrastiniertier.

Sobald ich mich jedoch aus dem Einflussbereich dieses gedankenkontrollierenden, hypnotisierenden Wesens entferne, fließen nicht nur die Ideen, sondern ich strotze auch nur so vor Tatendrang.

Plötzlich fallen mir all die Dinge ein, die ich mal endlich anfangen muss oder fertig bekommen sollte, statt herum zu lungern. Der Blog hat schon viel zu lange keinen Beitrag mehr bekommen. Das Bild, was ich angefangen habe, sollte ich mal weiter malen, die Podcast-Folge will immer noch fertig geschnitten werden, damit sie endlich veröffentlicht werden kann. Ja, sogar Dinge, die üblicherweise im Einflussbereich der bösen Couch selbst geschehen, wie endlich mal die ganzen ungespielten Spiele spielen, geraten dort für Passivität ins Hintertreffen.

Bin ich unterwegs, fliegen mir die Dinge, über die ich schreiben will, geradezu in den Kopf und wollen mir durch die Finger.

Unterwegs und weit weg von dem Motivationsmampfer, überkommt mich eine kaum zügelbare Tatenlust. Der Weg, den sowohl die Ideen, als auch die Energie meist nehmen, ist über die Hinterseite meines Körpers in das große, weiße, nimmersatte, gemeine Sofa.

So kommen wir nicht weiter, Sofa! Du wirst deine gefräßige Art und Weise wohl, wie ich dich kenne, nicht ändern. Dann ist es wohl an mir!

Corpus Delicti
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Umweltschutz-Ja-Sager

Du würdest dich als umweltbewusst bezeichnen, richtig? Wer nicht? Du bist Umweltschutz! Wir alle sind es. Die deutschen gelten als weltweit sehr umweltbewusstes Volk. Ein schönes Klischee, was andere von einem haben können.

Wir lügen uns alle ordentlich was in die Tasche. Umweltschutz ist so ein schönes, abstraktes Wort, was wir ganz toll als gute Sache abnicken können. So polemisch wie ,,Sicherheit” oder ,,Wohlstand”. Wenn die Umsetzung, das Mitmachen nur nicht so anstrengend wäre. Das sollen die anderen mal machen.

Wir haben uns derart an unser komfortables Leben auf Kosten anderer gewöhnt, empfinden diese Lebensart gar als selbstverständlich und notwendig, dass wir nicht bereit sind, uns auch nur mit dem Gedanken zu befassen, dass dieser Luxus in vielerlei Hinsicht gefährlich ist. Von jenen, die diese Gefahren völlig abtun, möchte ich nicht anfangen zu sprechen.

Angefangen bei Lebensmitteln, die alle nichts mehr kosten dürfen. Von denen niemand in der Kette der Erzeuger mehr etwas für die Arbeit bekommt, damit wir hier unsere Mango zum selben Preis wie in Thailand essen können.

Über die Kleidung, die kiloweise zu unglaublich niedrigen Preisen verkauft wird, weil sie in Ländern, in denen es unsere Gesetze für Kinder- und Arbeitsschutz nicht gibt, hergestellt wird. Die sind uns egal. Hauptsache unsere Kinder können billige Firmenlogos durch die Gegend tragen.
Aber wehe, man spricht hier davon, ein Werk eines Fahrzeugherstellers zu schließen, der seit Jahren seine Kunden nach Strich und Faden belügt.

Bis hin zu den fossilen Brennstoffen, die bekanntermaßen bald ausgehen und sowieso längst als Energiequelle hätten ausgetauscht werden sollen, wäre da nicht die verdammte Bequemlichkeit.
Die geht so weit, dass selbst unseren Jüngsten keine körperliche Bewegung mehr zugetraut wird und denen damit von klein auf die Chance genommen wird es anders zu erleben.

Es geht mir nicht um die dummen, die es nicht begreifen wollen.
Es geht mir hier um jene, die es besser wissen und trotzdem unwillig sind, aus ihrer bequemen Position heraus zu kommen.
Es geht mir um jene Menschen, die es besser wissen, die sich in Dingen der Bequemlichkeit aber gerne an den Unverbesserlichen orientieren.

Jene, die bei Lufttemperaturen um 40°C immer noch darauf bestehen, ihre faulen Hinterteile in ihren rollenden Hitzeerzeugern (Verbrennung!) durch die Weltgeschichte zu rollen, obwohl sie genau wissen, dass sie damit aktiv zur Verschlechterung der Situation beitragen.

– „Ich fahre nicht mit dem Fahrrad zur Arbeit“ – obwohl der Arbeitsplatz unter 1km entfernt ist.

– „Ich bin schon Vegetarierin, sollen die anderen auch erst mal aufhören Fleisch zu essen!“

– „Das kommt doch sowieso alles auf den selben Haufen – warum soll ich es vorher mühsam trennen?“

…und noch etliche andere Ausreden, in denen gerne auch mal die eigenen Kinder als Grund für die eigene Faulheit vorgeschoben werden.

Wir werden keinen Millimeter vorwärts kommen, wenn niemand bereit ist, Opfer zu bringen.

Nichts wird sich ändern, wenn alle auf ihre ganz persönlichen Ausnahmen bestehen.

Aber statt nur zu motzen, erinnere ich mich lieber an jene, die zu Fuß, mit dem Fahrrad und mit Öffentlichen unterwegs waren. Ob die das alle freiwillig gemacht haben, sei mal dahin gestellt. Es gab sicher einige, die lieber den eigenen Wagen genutzt hätten, genauso wie es sicher einige gegeben hat, die lieber nicht das Auto genutzt hätten. Danke.

Intelligenter sein ist anstrengend.

Happy Overshoot Day everyone!

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Kantiger Mut

„Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“ schrieb einst Immanuel Kant.

Menschen sind gerne sicher, sind gerne abgesichert. Um diese Absicherung und Sicherheit zu erreichen, ist Nachfragen ein probates Mittel. Wer fragt, ob sie etwas machen darf, sichert sich ab und kann dann, im Falle eines Falles sagen „ich habe doch gefragt“. Verantwortung abgeben.

Fragen bringt aber auch ein bestimmtes, großes Risiko mit sich: die Antwort könnte nicht die sein, die man hören möchte.

Wer zu seiner Vorgesetzten geht und dort fragt, ob er während der Mittagspause auch nach Hause darf, muss damit rechnen, dass die Vorgesetzte, verwundert über diese Frage, ein Verbot ausspricht, wo vorher womöglich keines existiert hat.

Abgesehen davon, dass nun also ein neues Gesetz existiert, ist der Chef auf diese Möglichkeit aufmerksam geworden und könnte Maßnahmen ergreifen, um Übertretungen festzustellen.

Müßig zu sagen, dass nun natürlich oft der kindische Widerstand beginnt, in dem die fragende Person, die sich ja bloß absichern wollte, auf ihre Freiheit pocht und sagt, sie sei ein erwachsener Mensch, den man nicht einsperren kann. Das nur ein Beispiel.

Das schlimmste an der Nutzung des eigenen Verstandes ist, dass man Verantwortung für die Folgen übernehmen muss.

Stehe ich am Rand einer Straße, die ich gedenke zu überqueren, an der weit und breit kein Auto zu sehen ist, und gehe trotz der roten Fußgängerampel, die mich ganz klar zum Stehenbleiben auffordert, einfach über die Straße, muss ich, falls doch ein Auto aus dem Hyperraum erscheint und mich gerade dann platt fährt, die Verantwortung dafür übernehmen und kann nicht sagen, ich hätte mich an die Regeln gehalten. Das aus dem Hyperraum erscheinende Auto kann nicht belangt werden.

In einem meiner früheren Posts habe ich gesagt, dass Intelligentsein anstrengend ist. Nicht nur, weil man selbst viel denkt, sondern weil man auch für andere mitdenken muss.

Der Straßenverkehr ist hierfür tatsächlich ein ausgezeichnetes Beispiel. Hier ist es zwangsläufig notwendig für alle Verkehrsteilnehmer, die sich um mich herum auf der Straße befinden, mitzudenken. Immer überlegen, wie sich der andere wohl jetzt im schlimmsten Fall verhalten könnte. Vorausschauend. Ist anstrengend, muss aber sein.

Selbst nachdenken heißt, sich darüber Gedanken zu machen, was situationsabhängig für sich selbst und die Mitmenschen vernünftig ist und sich nicht sklavisch an allgemeines Regelwerk zu halten, was andere definiert haben, um sich möglichst, jedoch unmöglich gegen alle möglichen Fälle abzusichern.

Der fiktive Charakter Dr. House hat in einer Folge der Serie folgenden Satz gesagt: “Rules are guidelines for morons who can’t make up their own minds!”

Ich liebe diesen Satz. Auch wenn er ihm in dieser Szene natürlich dazu dient, seinen Kopf durchzusetzen, gibt er doch wunderbar das wider, was Paragraphen- und Prinzipienreiter sind und nimmt religiöse Menschen mit, die sich ebenso gerne sklavisch an das halten, was geschrieben steht, weil sie dem Allgemeingültigkeit zusprechen.

Nun ist es selbstverständlich nicht leicht, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen und es bedarf einiges an Übung und Erfahrung. Darum heißt der wunderbare Satz des Herrn Kant auch nicht einfach im Imperativ „bediene dich deines eigenen Verstandes!“, sondern „habe den Mut (…)“, was ein signifikanter Unterschied ist, der anerkennt, dass es Überwindung und Mut kostet. Er erkennt an, dass es leichter ist, sich an bereits gedachten Dingen und Regeln zu orientieren und auf Nummer sicher zu gehen, statt das Risiko einzugehen, Verantwortung zu übernehmen.

Es ist eine Ermutigung zur Emanzipation. Vielleicht hätte das Zeitalter der Aufklärung besser „Emanzipation“ geheißen. Allerdings stellt sich darauf die Frage, was die Frauenbewegung dann für einen Begriff gewählt hätte. Aber das überlasse ich den Science Fiction-Autoren.

Die Frage, die ich mir in so vielen Situationen stelle, lautet, ob ich wirklich jemanden brauche, der mir in so vielen Dingen alles vorkaut oder ob nicht einfach ein gesundes Maß an Bildung und Verstand hier ausreichen.

Und damit habe ich mir schon meine eigene Antwort gegeben, weil ich nicht von jedem Menschen erwarten kann, dass er oder sie so viel Bildung oder Verstand aufbringt. Allerdings kann ich, und reihe mich hier ganz unbescheiden neben den Herrn Kant, zum Mut auffordern.

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Unterteilung

Vor einiger Zeit war ich bei einem Auftritt des Herrn Pufpaff und habe mich dort mal wieder von Dingen amüsieren lassen, die inhaltlich alles andere als komisch sind, aber derart präsentiert und dargestellt werden, dass man im Publikum zum Lachen gebracht wird.

Wer mich nun daran erinnern möchte, dass ich zu Beginn dieses Blogs dem Herrn Rether in einem offenen Brief mitgeteilt habe, dass ich diese Art von Comedy nicht mehr besuchen möchte, der möchte ich hier sagen, dass das auch weiter der Fall bleibt. Diese Karte hatte ich allerdings geschenkt bekommen, also sträubte ich mich auch nicht künstlich, sondern amüsierte mich köstlich.

Besonders ein Punkt, den Herr Pufpaff zeichnete, gefiel mir sehr: wie toll es wäre, gäbe es ein Gerät wie den ,,Blitzdingser” (orig. Neuralyzer) aus dem Film ,,Men In Black”.

Er führte dieses Gedankenspiel damit aus, dass es mit diesem schicken Gerät ja möglich ist, Menschen die Erinnerung zu löschen. Dies könne man dann ja so weit treiben bzw modifizieren, dass den Menschen die Vorurteile gelöscht werden, die sie sich so über ihr Leben verteilt, aneignen. Das Ergebnis dieser Löschung wäre denkbar einfach und angenehm. Es fände endlich eine realistische Unterteilung der Menschen in zwei Gruppen statt:

Arschloch oder Nicht-Arschloch.

What a wonderful world it could be.

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Neunzehn-Iksundachzig

Ich stelle mir oft vor, wie es wäre, könnten wir in die Vergangenheit reisen und den Menschen von unseren Errungenschaften und dem heutigen Leben erzählen. Sagen wir in den Menschen in den 1980er-Jahren.

Damals haben wir natürlich alle gedacht, dass die Menschheit im Jahr 2019 schon längst nicht mehr auf dem Boden unterwegs ist, sondern die dritte Dimension auch schon für sich erobert hat, aber das belassen wir jetzt mal im Reich des Science Fiction. Zeitreisen sind aber möglich. Also machen wir mal kurz eine.

Spiele ich mit dem Gedanken, dass ich beispielsweise eine Unterhaltung mit meinem Vater aus den 80ern habe, als er gerade etwa so alt wie ich, also um die 40 Jahre alt war, fragt er mich sicher zuerst einige Dinge.

Ja, den kalten Krieg haben wir alle unbeschadet überstanden. Das ist gut gegangen. Der Kommunismus als System hat sich nicht durchgesetzt, Deutschland ist wieder geeint, die Staaten, die lange Zeit gehungert haben, hungern heute auch noch, aber aus anderen Gründen und es sind noch einige hinzugekommen.

Wir haben keine Grenzen mehr in Europa. Zumindest keine, an denen wir kontrolliert werden. Wir können innerhalb Europas reisen, wie es unser Geldbeutel zulässt. Die Grenzen in den Köpfen sind allerdings nicht nur geblieben, sondern werden immer wieder aufgefrischt und höher und breiter.

Auch wenn wir uns in so vielen Feldern weiter entwickelt haben, gibt es immer noch nicht nur furchtbare Armut und Hunger auf der Welt, sondern unglaubliche und unfassbare Dummheit und Rücksichtslosigkeit. Allen Bemühungen zum Trotz.

Bei den Autos, nach denen er sicher auch fragen würde, wäre meine Antwort wohl, dass Autos immer noch auf Straßen unterwegs sind. Es werde sich zwar auch da viel getan haben, aber es werde auch hier zum größten Teil am Unwillen der Menschen scheitern, sich auf andere Dinge einzulassen.

Ja, würde ich antworten. Es ist, wie ihr immer gesagt bekommt. Die fossilen Brennstoffe werden sich dem Ende zuneigen, das Klima wird sich verändern und die Weltgemeinschaft wird nicht genug getan haben, um das rechtzeitig zu verhindern. Regelmäßige und frequentere Katastrophen und Folgen davon werden tatsächlich immer noch zu Äußerungen von Leuten an hohen Positionen führen, die behaupten werden, das sei alles Fantasterei und habe mit irgendwelchen Auswirkungen auf die Atmosphäre nichts zu tun. Es sei Zufall.

Ich würde antworten, es werde schon sehr viele und auch sinnvolle und praktikable Alternativen zur Energiegewinnung geben, doch die Menschen seien zu bequem gewesen, diese anzunehmen oder sich dafür umzugewöhnen. Es werde Jahrzehnte andauernde Diskussionen darüber gegeben, wer nun Windräder vor seiner Haustür stehen haben will und wie weit die davon entfernt sein müssen.

Es wird im Jahr 2019 immer noch Kohle subventioniert und verbrannt werden, obwohl es alle besser wissen werden und nicht zuletzt werden immer noch Autos mit Verbrennungsmotoren gebaut werden.

Das Schlimme aber, würde ich sagen, ist, dass die Menschen sie auch weiter kaufen würden. Und das nicht wenig.

Während die Menschen alle darüber klagen werden, dass sie weniger Geld zum Leben haben, die Lebensmittel aber alle zu Dumping-Preisen verkauft werden und die Folgen daraus uns von einem „Lebensmittelskandal“ in den nächsten navigieren, werden die Menschen im Jahr 2019 daran festhalten wollen, dass jeder Haushalt mindestens ein Auto haben muss.

Ja, würde ich sagen, mindestens.

Es werde auch schon elektronisch fahrende Autos mit Batterien geben, doch auch hier werde die Technologie und die Entwicklung lange gebremst worden sein, von denen, die natürlich weiter ihr Öl verkaufen wollen und auch diese Elektrofahrzeuge werden das Problem nur von einer Seite angehen.

Damit nicht genug, würde ich ihm sagen. Die Verlagerung der Prioritäten auf Statussymbole werde noch sehr viel weiter in der Gesellschaft verbreitet. Das Auto werde hierfür der Platzhalter für die breite Masse. Nicht nur, dass alle mindestens ein Auto haben werden müssen, sondern das muss dann auch etwas hermachen. Der praktische Wert eines Autos werde in Zukunft immer weiter in den Hintergrund rücken, würde ich ihm erzählen.

Die Straßen werden voll mit sogenannten „SUVs“ und völlig überproportionierten Sportwagen sein, sowohl vom Volumen, als auch von der Leistung an jeder Effizienz vorbei gebaut. Sie werden die Straßen verstopfen und die Leute werden sie kaufen, einfach um sie zu haben.

Ich würde ihm erzählen, gingest du im Jahr 2019 zur Nachmittagszeit zu einer beliebigen Schule, glaubtest du anhand der Autos, mit denen die Kinder von der Schule abgeholt werden, dass an diese Schule wohl die Kinder von lauter Landwirten gehen müssen.

Im Jahr 2019 scheint niemand mehr seinen Kindern den Weg zur Schule zumuten zu wollen. Der Großteil der Menschen, selbst jene, die ihre Kinder auf eine Schule schicken, die zu Fuß von der Wohnung in kurzer Zeit erreichbar ist, fahren ihre Kinder dort hin. Warum? Ich kann es dir nicht sagen, würde ich antworten. Mich wirst du immer selbstständig zur Schule schicken, würde ich ihm aus für ihn näherer Zukunft berichten.

Ausreden dafür, warum die eigenen Kinder täglich gefahren werden müssen, werden aber immer schnell erdacht sein.

Was die Stadtplaner in eurer Zeit schon vorhergesehen haben, wird eintreten: die Straßen werden voller, die Staus länger, der Stress mehr, die Parkplätze weniger, die Kosten für Instandhaltung und Wartung höher, von den Toten und Schwerverletzten durch Unfälle ganz zu schweigen. Denn mehr Platz werden wir nicht haben, 2019.

Nein, würde ich sagen, die öffentlichen Verkehrsmittel werden ihren Betrieb nicht eingestellt haben. Allerdings wird die absurde Situation entstanden sein, dass es sich tatsächlich oft mehr rechnet, mit dem eigenen Auto zu fahren, statt den Bus oder die Bahn zu nehmen.

Ja, würde ich sagen, über die Privatisierung sprechen wir ein anderes Mal.

Und so werden wir 2019 eine paradoxe Situation haben, wo wieder zwei Seiten aufeinander zeigen und darauf warten, dass der andere den ersten Schritt geht. Alle genervt und gestresst vom täglichen Verkehr und der Suche nach Parkplätzen aber niemand bereit, den Ursprung seines Ärgers als solchen zu erkennen und zu meiden. Stattdessen beharrend auf die eigene Dekadenz.

Die Autofahrer werden sagen, sie fahren nicht Bus/Bahn, weil diese zu teuer sind und die Betriebe der öffentlichen Verkehrsmittel erhöhen stetig die Preise mit neuen Ausreden, weil niemand mehr ihre Dienste nutzt.

Und mittendrin werde ich dann sein, der immer wieder mit den Zähnen knirscht, wenn ein cholerischer Autofahrer lieber hupt, statt zu bremsen. Immer wieder versuchend, die Menschen in meiner Umgebung auf diese Dinge aufmerksam zu machen und immer wieder dafür den Stempel des Besserwissers aufgedrückt bekommen, der viel zu streng mit sich und allen ist.

Nein, keine Sorge, würde ich antworten. Davon lasse ich mich nicht ärgern. Ich weiß ja, dass sie nur zu faul sind etwas an ihrem Verhalten zu ändern und dass sie selbst wissen, dass sie im Unrecht sind. Ich würde sagen, dass ich mich nicht von meiner Linie abbringen lasse, so herablassen die auch klingen mag, und dass ich mich immer über jede und jeden freue, die sich nicht dem „machen doch alle so“ oder „was kann ich denn schon ändern“ hingibt. Die wird es nämlich auch noch geben.

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Take the Time

“Do, or do not – there is no ‘try’!” – Yoda

Ich tue es auch gerne und ich glaube, es wohnt uns allen auf gewisse Weise inne: das Vor-uns-herschieben von Dingen. Sei es nun, weil es etwas Unangenehmes ist, wie Lernen für eine Prüfung, die Hausaufgaben machen, endlich mal das Chaos zu Hause aufräumen, die Fenster putzen, einkaufen gehen, weil der Kühlschrank leer ist oder was dir sonst noch unangenehmes einfällt.

Habe ich keine Lust etwas zu tun oder empfinde ich es als anstrengend, unangenehm, lästig, fallen mir immer viele Dinge ein, die ich vorher noch tun „muss“. Das endet meist darin, dass die hinausgezögerte Verpflichtung immer schwerer lastet.

Aber das ist wie gesagt nichts Besonderes und ich behaupte, dass sich nur wenige von uns von diesem Verhalten frei sprechen können.

Leider prokrastinieren wir aber nicht nur lästiges, sondern auch schöne Dinge, die unser Leben bereichern.

Meist klingt das dann etwa so: „irgendwann setze ich mich mal hin und lerne Griechisch“.

Oder „irgendwann schreibe ich diese ganzen Geschichten mal auf“ oder „irgendwann nehme ich mir mal die Zeit und male“ oder „eigentlich wollte ich ja schon immer mal Gitarre lernen“…

Der Beispiele sind es viele und ich bin mir sicher, du hast sowas auch irgendwo im Hinterkopf.

Die Frage ist: woran hakt es?

Das Schlimme an Worten wie „irgendwann“ ist, wie du weißt, dass sie diffus in Zeit und Raum schweben, ohne eine konkrete Erklärung zu geben, wann oder wo das passieren wird. Und bevor du dich versiehst, ist „irgendwann“ da und lange vorbei und du sagst immer noch „irgendwann“.

Gegen diese Vorsichherschieberei hilft, sich diese Vorsätze aufzuschreiben.

Kleine Zettel, auf denen eine Aufgabe oder ein Vorsatz steht. „Mehr mit meinen Freunden machen“ zum Beispiel oder „Krieg und Frieden im Original lesen“. Dinge, die du mit einem befriedigenden Gefühl des Erfolges durchstreichen kannst, wenn du sie angegangen bist und geschafft hast. Oder auch, wenn du weißt, dass du es probiert hast und es nichts für dich war.

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Muss das immer alles so einfach sein?

Gestern wieder ein „Linux-Erlebnis“ gehabt.

Ein guter Freund hat mir einen Canon Pixma Drucker überlassen, der bei ihm plötzlich die Funktion eingestellt hat. Mit ein paar Handgriffen war der wieder einsatzfähig und ich meldete ihn an meinem Netzwerk an. Mal schauen, ob ich mit relativ wenig Aufwand vom Rechner aus die Funktion prüfen kann, indem ich etwas scanne.

An meinem Laptop, auf dem Fedora 29 installiert ist, ging ich als Erstes in die Einrichtung, um dort nach dem Drucker zu suchen und ihn gegebenenfalls zu installieren.

Ich öffne also die entsprechende Stelle und siehe da: zu meinem Erstaunen ist der Drucker bereits fertig eingerichtet und einsatzbereit.

Um das kurz zu überprüfen, lege ich ein herumliegendes Buch auf die Scan-Fläche und scanne los…

Ob es daran liegt, dass ich eher Probleme oder mehr Arbeit erwarte, dass es mich so überrascht, wenn das so läuft?

Das ist mir alles zu simpel geworden mit Linux. Wird Zeit, dass ich mir Windows mal ansehe. Das soll doch angeblich so unmöglich zu handhaben sein.

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Renn für dein Leben

Beim Marathon in Düsseldorf

Das waren sie also mal wieder. Die berühmten 42,195 km.

Die Nervosität vorher war schlimmer, als der Lauf selbst. Nervosität allerdings im Sinne von „ich will es endlich hinter mir haben“.

Mein selbst gestecktes Ziel war, in unter fünf Stunden ins Ziel zu kommen. Das habe ich tatsächlich geschafft.

Das ist aber noch nicht mal das, worauf ich wirklich stolz bin.

Was mich tatsächlich beeindruckt hat war, dass ich Tags drauf nicht mal Muskelkater hatte. Der schlimmste Schmerz, den ich davon getragen habe, war meine sonnenverbrannte Glatze.

Ich bin froh über meine Freunde, die für mich angereist sind und für mich durch die Stadt gelaufen sind, um mich an unterschiedlichen Stellen anzufeuern. Danke!

Jetzt genehmige ich mir erst mal den Luxus und warte auf schöneres Wetter, bevor ich wieder los lege, denn: nach dem Marathon ist vor dem Marathon.

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Wenn das jeder täte…

… ja! Was dann eigentlich?

Diese Floskel wird ja gerne dann genutzt, wenn es gilt jemandem etwas auszureden. Ich versuche das mal umzukehren.

Auf der Straße herumfliegenden Müll einfach so aufheben und in die Tonne tragen…?

Wenn das jeder täte!

„Das macht doch keiner“ kommt dann gerne. Bequem.

Ja, ja! Ich bezahle auch Steuern für die Stadtreinigung. Ja, und? Ich frage nochmals: Was wenn jeder sich einfach mal nach Müll auf der Straße bücken würde?

Nicht nur, dass plötzlich die Straßen sauberer wären; es gäbe mit einem Mal auch ein breiteres Bewusstsein dafür, dass es scheiße ist die Straßen dreckig zu machen und voilà: keiner braucht sich mehr nach Müll zu bücken.

Anderes und von mir gerne gewähltes Beispiel: das Auto stehen lassen. Ja, ja. Ich weiß. Du armes, kleines, unbedeutendes Menschlein. Was trägst du denn schon zum weltweiten CO2-Ausstoß bei?

Selbstverständlich nix. Bleib schön dabei und nimm zum Brötchenholen dein Auto. Er ist ja auch extra sparsam und erfüllt auch die neueste EU Abgasnorm und die neuesten Abgasnormen von VW und aller anderen ehrlichen Autohersteller. Und es machen ja auch sowieso alle so, warum also sollst du anfangen?

Wo kämen wir denn da hin, wenn jeder auf einmal sein Auto stehen ließe?

Freiere und sicherere Straßen sind ja utopisch. Und Sauberkeit sowieso, wie ich oben schon festgestellt habe. Warum soll also sauberere Luft da einen Unterschied machen. Da nimmst du gerne das bisschen Ärger über die anderen Autofahrer in Kauf. Oder die lästige Parkplatzsuche in der Stadt. Und die Knöllchen gehören zum Einkaufserlebnis dazu.

Außerdem: Wenn das jeder täte?!

Die arme Autoindustrie und die vielen Arbeitsplätze erst!
Sollen die alle Fahrräder bauen gehen?

Ne, bleib schön bequem bei dem, was du kennst und ruh dich aus auf deiner Gewohnheit, deinem Luxus, den du längst für Lebensnotwendig hältst, ohne dir das eingestehen zu wollen.

Ohne Fleisch, ohne Auto, ohne Ananas, ohne… warum sollst du verzichten? Ist doch alles da.

Einen Tag in der Woche ohne Fleisch? Das lässt du dir von niemandem sagen! Aus Prinzip! Du lässt dich nicht bevormunden!

Und dann diese lästigen, lästigen Leute, die von ihrem hohen Ross herab reden und zeigen, dass es auch ohne geht. Und dann kommen die sich auch noch so vorbildhaft vor dabei. Die können das ja. Die haben ja nicht den Zwang, den du hast. Die müssen ja nicht immer Wasserkästen transportieren oder ihre Kinder jeden Tag zur Schule fahren oder haben Rücken oder sie sind eh arbeitslos und brauchen auch nicht zur Arbeit.

Du hast schon deine Gründe für deine Beque… – deinen Zwang. Und verdient hast du dir das, du arme*r.

Wenn es endlich vernünftige Alternativen gibt, dann machst du gerne mit. Aber warum sollst du einen Schritt in die Richtung machen?

Macht ja eh keiner.

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