Kochbuch 01

Die hier erzählte Geschichte und alle dazugehörigen Teile, sind frei erfunden. Jedwede Ähnlichkeit zu real existieren Menschen oder Ereignissen ist zufällig.

Ich komme nicht umhin, Mitleid mit dieser Frau zu verspüren. Jetzt, wie damals.

Selbst nach all den Dingen, die sie mir angetan hat und immer noch antut. Sie ist, wenn ich ihre Vergangenheit und ihr bisheriges Leben in Betracht ziehe, nur das Produkt schlimmer Einflüsse. Und mein Mitleid und meine Empathie sind wahrscheinlich die Gründe dafür, dass die Dinge sich so entwickelt haben, wie sie es taten.

Mein Name ist Tamim Koch – naja, zumindest sage ich das hier mal so – und in dieser Geschichte … ich möchte davon erzählen … Inhalt soll sein … ich weiß nicht, wie ich es sagen soll.
Mein Thema hier ist, was ich mit meiner Exfrau erlebe und erlebt habe. Im Bezug auf unsere Ehe, unserer beider Migrationshintergrund, die Geschichten, die ich in diesem und auch einfach in ihrem persönlichen Zusammenhang ohne irgendwelche migrationsspezifischen Gründe – erlebe.

Es fällt mir schwer den richtigen Anfang zu finden aber irgendwo muss ich beginnen also nehme ich das, was ich als Beginn empfinde:
Wir haben in einer Nacht- und Nebelaktion geheiratet.
Nicht aus Liebe, wie es manch ein Romantiker sich jetzt vielleicht vorstellt, sondern weil sie aus ihrem Elternhaus fliehen wollte, musste.

Ich sollte sie, die Frau, die ich an einem Dienstagnachmittag ehelichte, vielleicht vorstellen und auch wenn ich mich sehr bemühen muss nicht zu werten, werde ich nicht umhin kommen, dass es sicher etwas gefärbt ist.

In ihrem Elternhaus hat sie nie Liebe, sondern nur Gewalt und Intrigen erfahren. Gewalt durch ihre Eltern, an sich und ihren Geschwistern, Gewalt der Eltern untereinander, Gewalt durch und an Verwandten oder aus der Gesellschaft. Verbal wie physisch. Einen lieblosen Haushalt, in dem rücksichtslos geprügelt und geschimpft wurde, ungeachtet des Alters, Geschlechts oder sogar bestehender Schwangerschaften.

Ein Haushalt, in dem Worte wie „Ehre“ und „Respekt“ verdreht und zu autoritären Zwecken missbraucht wurden. Wo es galt, die Tochter zu prügeln, wenn sie auf dem Schulhof mit einem Jungen gesehen wurde – um
„die Ehre“ zu verteidigen.

Bevor ich sie kennengelernt hatte, war ich der Ansicht, dass es derartige Familien nur im Film gibt oder vielleicht in armen, ländlichen Gegenden, wo die Menschen keinen Kontakt zur Außenwelt pflegen, keine Einsicht in gesellschaftliche und moralische Vorstellungen haben, ungebildet sind. Eltern beschimpfen sich doch nicht gegenseitig. Oder zumindest nicht vor den Kindern. Und geschlagen wird sich im Ring oder, wenn die Parteien nicht besonders kommunikationsstark sind, auf der Straße. Aber zu Hause? Nein, wirklich nicht. Des Weiteren überlegte ich mir, wenn diese Sachen zustimmen sollten, so hat sie mir zu verstehen gegeben, dass es ihre Familie, unter der sie stark gelitten hat. Ich war der Ansicht, ich muss sie aus dieser Welt retten. War ich naiv? Vielleicht.

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