Neunzehn-Iksundachzig

Ich stelle mir oft vor, wie es wäre, könnten wir in die Vergangenheit reisen und den Menschen von unseren Errungenschaften und dem heutigen Leben erzählen. Sagen wir in den Menschen in den 1980er-Jahren.

Damals haben wir natürlich alle gedacht, dass die Menschheit im Jahr 2019 schon längst nicht mehr auf dem Boden unterwegs ist, sondern die dritte Dimension auch schon für sich erobert hat, aber das belassen wir jetzt mal im Reich des Science Fiction. Zeitreisen sind aber möglich. Also machen wir mal kurz eine.

Spiele ich mit dem Gedanken, dass ich beispielsweise eine Unterhaltung mit meinem Vater aus den 80ern habe, als er gerade etwa so alt wie ich, also um die 40 Jahre alt war, fragt er mich sicher zuerst einige Dinge.

Ja, den kalten Krieg haben wir alle unbeschadet überstanden. Das ist gut gegangen. Der Kommunismus als System hat sich nicht durchgesetzt, Deutschland ist wieder geeint, die Staaten, die lange Zeit gehungert haben, hungern heute auch noch, aber aus anderen Gründen und es sind noch einige hinzugekommen.

Wir haben keine Grenzen mehr in Europa. Zumindest keine, an denen wir kontrolliert werden. Wir können innerhalb Europas reisen, wie es unser Geldbeutel zulässt. Die Grenzen in den Köpfen sind allerdings nicht nur geblieben, sondern werden immer wieder aufgefrischt und höher und breiter.

Auch wenn wir uns in so vielen Feldern weiter entwickelt haben, gibt es immer noch nicht nur furchtbare Armut und Hunger auf der Welt, sondern unglaubliche und unfassbare Dummheit und Rücksichtslosigkeit. Allen Bemühungen zum Trotz.

Bei den Autos, nach denen er sicher auch fragen würde, wäre meine Antwort wohl, dass Autos immer noch auf Straßen unterwegs sind. Es werde sich zwar auch da viel getan haben, aber es werde auch hier zum größten Teil am Unwillen der Menschen scheitern, sich auf andere Dinge einzulassen.

Ja, würde ich antworten. Es ist, wie ihr immer gesagt bekommt. Die fossilen Brennstoffe werden sich dem Ende zuneigen, das Klima wird sich verändern und die Weltgemeinschaft wird nicht genug getan haben, um das rechtzeitig zu verhindern. Regelmäßige und frequentere Katastrophen und Folgen davon werden tatsächlich immer noch zu Äußerungen von Leuten an hohen Positionen führen, die behaupten werden, das sei alles Fantasterei und habe mit irgendwelchen Auswirkungen auf die Atmosphäre nichts zu tun. Es sei Zufall.

Ich würde antworten, es werde schon sehr viele und auch sinnvolle und praktikable Alternativen zur Energiegewinnung geben, doch die Menschen seien zu bequem gewesen, diese anzunehmen oder sich dafür umzugewöhnen. Es werde Jahrzehnte andauernde Diskussionen darüber gegeben, wer nun Windräder vor seiner Haustür stehen haben will und wie weit die davon entfernt sein müssen.

Es wird im Jahr 2019 immer noch Kohle subventioniert und verbrannt werden, obwohl es alle besser wissen werden und nicht zuletzt werden immer noch Autos mit Verbrennungsmotoren gebaut werden.

Das Schlimme aber, würde ich sagen, ist, dass die Menschen sie auch weiter kaufen würden. Und das nicht wenig.

Während die Menschen alle darüber klagen werden, dass sie weniger Geld zum Leben haben, die Lebensmittel aber alle zu Dumping-Preisen verkauft werden und die Folgen daraus uns von einem „Lebensmittelskandal“ in den nächsten navigieren, werden die Menschen im Jahr 2019 daran festhalten wollen, dass jeder Haushalt mindestens ein Auto haben muss.

Ja, würde ich sagen, mindestens.

Es werde auch schon elektronisch fahrende Autos mit Batterien geben, doch auch hier werde die Technologie und die Entwicklung lange gebremst worden sein, von denen, die natürlich weiter ihr Öl verkaufen wollen und auch diese Elektrofahrzeuge werden das Problem nur von einer Seite angehen.

Damit nicht genug, würde ich ihm sagen. Die Verlagerung der Prioritäten auf Statussymbole werde noch sehr viel weiter in der Gesellschaft verbreitet. Das Auto werde hierfür der Platzhalter für die breite Masse. Nicht nur, dass alle mindestens ein Auto haben werden müssen, sondern das muss dann auch etwas hermachen. Der praktische Wert eines Autos werde in Zukunft immer weiter in den Hintergrund rücken, würde ich ihm erzählen.

Die Straßen werden voll mit sogenannten „SUVs“ und völlig überproportionierten Sportwagen sein, sowohl vom Volumen, als auch von der Leistung an jeder Effizienz vorbei gebaut. Sie werden die Straßen verstopfen und die Leute werden sie kaufen, einfach um sie zu haben.

Ich würde ihm erzählen, gingest du im Jahr 2019 zur Nachmittagszeit zu einer beliebigen Schule, glaubtest du anhand der Autos, mit denen die Kinder von der Schule abgeholt werden, dass an diese Schule wohl die Kinder von lauter Landwirten gehen müssen.

Im Jahr 2019 scheint niemand mehr seinen Kindern den Weg zur Schule zumuten zu wollen. Der Großteil der Menschen, selbst jene, die ihre Kinder auf eine Schule schicken, die zu Fuß von der Wohnung in kurzer Zeit erreichbar ist, fahren ihre Kinder dort hin. Warum? Ich kann es dir nicht sagen, würde ich antworten. Mich wirst du immer selbstständig zur Schule schicken, würde ich ihm aus für ihn näherer Zukunft berichten.

Ausreden dafür, warum die eigenen Kinder täglich gefahren werden müssen, werden aber immer schnell erdacht sein.

Was die Stadtplaner in eurer Zeit schon vorhergesehen haben, wird eintreten: die Straßen werden voller, die Staus länger, der Stress mehr, die Parkplätze weniger, die Kosten für Instandhaltung und Wartung höher, von den Toten und Schwerverletzten durch Unfälle ganz zu schweigen. Denn mehr Platz werden wir nicht haben, 2019.

Nein, würde ich sagen, die öffentlichen Verkehrsmittel werden ihren Betrieb nicht eingestellt haben. Allerdings wird die absurde Situation entstanden sein, dass es sich tatsächlich oft mehr rechnet, mit dem eigenen Auto zu fahren, statt den Bus oder die Bahn zu nehmen.

Ja, würde ich sagen, über die Privatisierung sprechen wir ein anderes Mal.

Und so werden wir 2019 eine paradoxe Situation haben, wo wieder zwei Seiten aufeinander zeigen und darauf warten, dass der andere den ersten Schritt geht. Alle genervt und gestresst vom täglichen Verkehr und der Suche nach Parkplätzen aber niemand bereit, den Ursprung seines Ärgers als solchen zu erkennen und zu meiden. Stattdessen beharrend auf die eigene Dekadenz.

Die Autofahrer werden sagen, sie fahren nicht Bus/Bahn, weil diese zu teuer sind und die Betriebe der öffentlichen Verkehrsmittel erhöhen stetig die Preise mit neuen Ausreden, weil niemand mehr ihre Dienste nutzt.

Und mittendrin werde ich dann sein, der immer wieder mit den Zähnen knirscht, wenn ein cholerischer Autofahrer lieber hupt, statt zu bremsen. Immer wieder versuchend, die Menschen in meiner Umgebung auf diese Dinge aufmerksam zu machen und immer wieder dafür den Stempel des Besserwissers aufgedrückt bekommen, der viel zu streng mit sich und allen ist.

Nein, keine Sorge, würde ich antworten. Davon lasse ich mich nicht ärgern. Ich weiß ja, dass sie nur zu faul sind etwas an ihrem Verhalten zu ändern und dass sie selbst wissen, dass sie im Unrecht sind. Ich würde sagen, dass ich mich nicht von meiner Linie abbringen lasse, so herablassen die auch klingen mag, und dass ich mich immer über jede und jeden freue, die sich nicht dem „machen doch alle so“ oder „was kann ich denn schon ändern“ hingibt. Die wird es nämlich auch noch geben.

Take the Time

“Do, or do not – there is no ‘try’!” – Yoda

Ich tue es auch gerne und ich glaube, es wohnt uns allen auf gewisse Weise inne: das Vor-uns-herschieben von Dingen. Sei es nun, weil es etwas Unangenehmes ist, wie Lernen für eine Prüfung, die Hausaufgaben machen, endlich mal das Chaos zu Hause aufräumen, die Fenster putzen, einkaufen gehen, weil der Kühlschrank leer ist oder was dir sonst noch unangenehmes einfällt.

Habe ich keine Lust etwas zu tun oder empfinde ich es als anstrengend, unangenehm, lästig, fallen mir immer viele Dinge ein, die ich vorher noch tun „muss“. Das endet meist darin, dass die hinausgezögerte Verpflichtung immer schwerer lastet.

Aber das ist wie gesagt nichts Besonderes und ich behaupte, dass sich nur wenige von uns von diesem Verhalten frei sprechen können.

Leider prokrastinieren wir aber nicht nur lästiges, sondern auch schöne Dinge, die unser Leben bereichern.

Meist klingt das dann etwa so: „irgendwann setze ich mich mal hin und lerne Griechisch“.

Oder „irgendwann schreibe ich diese ganzen Geschichten mal auf“ oder „irgendwann nehme ich mir mal die Zeit und male“ oder „eigentlich wollte ich ja schon immer mal Gitarre lernen“…

Der Beispiele sind es viele und ich bin mir sicher, du hast sowas auch irgendwo im Hinterkopf.

Die Frage ist: woran hakt es?

Das Schlimme an Worten wie „irgendwann“ ist, wie du weißt, dass sie diffus in Zeit und Raum schweben, ohne eine konkrete Erklärung zu geben, wann oder wo das passieren wird. Und bevor du dich versiehst, ist „irgendwann“ da und lange vorbei und du sagst immer noch „irgendwann“.

Gegen diese Vorsichherschieberei hilft, sich diese Vorsätze aufzuschreiben.

Kleine Zettel, auf denen eine Aufgabe oder ein Vorsatz steht. „Mehr mit meinen Freunden machen“ zum Beispiel oder „Krieg und Frieden im Original lesen“. Dinge, die du mit einem befriedigenden Gefühl des Erfolges durchstreichen kannst, wenn du sie angegangen bist und geschafft hast. Oder auch, wenn du weißt, dass du es probiert hast und es nichts für dich war.

Muss das immer alles so einfach sein?

Gestern wieder ein „Linux-Erlebnis“ gehabt.

Ein guter Freund hat mir einen Canon Pixma Drucker überlassen, der bei ihm plötzlich die Funktion eingestellt hat. Mit ein paar Handgriffen war der wieder einsatzfähig und ich meldete ihn an meinem Netzwerk an. Mal schauen, ob ich mit relativ wenig Aufwand vom Rechner aus die Funktion prüfen kann, indem ich etwas scanne.

An meinem Laptop, auf dem Fedora 29 installiert ist, ging ich als Erstes in die Einrichtung, um dort nach dem Drucker zu suchen und ihn gegebenenfalls zu installieren.

Ich öffne also die entsprechende Stelle und siehe da: zu meinem Erstaunen ist der Drucker bereits fertig eingerichtet und einsatzbereit.

Um das kurz zu überprüfen, lege ich ein herumliegendes Buch auf die Scan-Fläche und scanne los…

Ob es daran liegt, dass ich eher Probleme oder mehr Arbeit erwarte, dass es mich so überrascht, wenn das so läuft?

Das ist mir alles zu simpel geworden mit Linux. Wird Zeit, dass ich mir Windows mal ansehe. Das soll doch angeblich so unmöglich zu handhaben sein.

Alter macht weise…

Es gibt irgendwo eine Geschichte. Sie plätschert meinem Gefühl nach allerdings nur im Hintergrund. Irgendwelche Kristalle, die von irgendwelchen Geistern und Dämonen gestohlen worden sind, weswegen die Welt nun im Chaos und in Trauer und Tod versinkt.

Als Helden der Prophezeiung ist es nun an uns, diese Kristalle diesen Dämonen wieder zu entreißen, sie einzusammeln und an ihren rechtmäßigen Platz zu bringen.

Auch Experten des Genres werden an dieser Stelle mit Sicherheit noch nicht wissen, wovon ich spreche. Das spiegelt die Handlung eines Großteils der Rollen- und Adventure-Spiele wider, die es auf der Vielzahl der Systeme gibt. Davor steht als großer Motivator für die Helden dieser (Videospiel-) Welt wahrscheinlich nur die Prinzessin, die es zu erretten gilt.

Die Rede ist, um das hier mal aufzulösen, von „Final Fantasy“. Konkret vom ersten Teil, dieser riesigen Serie, die mittlerweile Zweige und Spin-Offs hat, die alle mehr oder weniger eigene Erfolge feiern.

Dieses Spiel gehört zu denen, von dem du, ob du nun selbst viel oder wenig spielst, immer mal wieder etwas hörst. Meist in Form von Schwärmereien oder nostalgischen Erzählungen.

Das führt bei mir immer dazu, dass ich diese Spiele mal ausprobieren möchte, um zu sehen, was nun dran ist, an dem Hype. Ob der überhaupt gerechtfertigt ist.

Nun ist diese Serie schon verdammt alt. Zumindest in Videospielejahren. Ach, wem mache ich hier was vor? Die Serie ist fast so alt wie ich, also alt. Entsprechend habe ich erste Berührungen schon im Jugendalter gehabt, als ich in der ersten Hälfte der Neunziger meinen Super Nintendo hatte.

Rollenspiele waren damals in der Form, zumindest nach Beurteilung der japanischen Hersteller, nichts für den amerikanischen oder europäischen Markt. Man hat uns schlicht nicht zugetraut, dass wir es raffen.

Die Spieleentwickler von „Square Soft“ in Japan hatten sich zu dem Zeitpunkt schon mit den ersten drei Teilen der Final Fantasy-Serie einen Namen in ihrer Heimat gemacht. Es schien an der Zeit, nun auszuprobieren, ob wir, die Kuhaugen, auch Zugang zu diesen „JRPGs“ finden.

Das Prinzip der Rollenspiele war in der Computer- und Videospielszene, dank „Dungeons & Dragons“ und deren Ableger alles andere als fremd, und so schien es an der Zeit uns langsam in ihre Welt einzuführen.

Genauso bevormundend wie die Entscheidung, dass dieses Genre zu schwer für uns ist, war dann das Spiel, was uns als erstes präsentiert wurde, um rein zu kommen. Es kam in einer größeren Verpackung, mit bebildertem Lösungsbuch, deutschen Bildschirmtexten, damals ein Novum und der letzte Schrei und, last but not least, dem „angepassten“ Schwierigkeitsgrad. Die Rede ist von „Mystic Quest Legend“.

Ich sah das Spiel zum ersten Mal bei einem Freund, der seine Begeisterung kaum zügeln konnte, während ich eher skeptisch war. Das Spiel sah schon bei Erscheinung altbacken aus und es passierte mir einfach zu wenig. Zumindest die Handlung war mir zu langsam. Kämpfe waren allerdings alle paar Schritte angesagt.

Während du dich auf der Karte bewegst tauchten plötzlich Monster auf und rundenbasiert galt es nun zu entscheiden, ob du mit deiner Waffe kämpfst, sprich einen Hieb mit dem Schwert oder mit der Axt oder welcher Waffe auch immer machst, ob du einen Zauberspruch sprichst, mit dem du angreifst oder dich temporär stärker machst, ob du dich heilst, oder ob du einfach die Flucht ergreifst.

War der Kampf gewonnen, gab es „Erfahrungspunkte“ und was der Gegner sonst noch so an Kram mit sich herum trug.

So weit, so Rollenspielig.

Was mich allerdings damals schon unsäglich nervte, waren die für die japanischen Rollenspiele typischen „random encounters“. Wie oben schon beschrieben, bewegst du dich beim Spielen auf einer großen Karte, wo du Aufgaben zu lösen und Orte abzuklappern hast.

Auf dieser Karte wirst du nun alle paar Schritte plötzlich und ohne Vorwarnung in einen Kampf verwickelt, wie ich ihn dir oben beschrieben habe.

Du siehst auf der Karte keinen Hinweis darauf, ob oder dass da etwas kommt. Absolut zufällig kommt ein Kampfbildschirm mitten auf deinem Weg auf. Auf einem Feld des Weges, auf dem dem du vor einer Sekunde noch gestanden hast zum Beispiel.

Diese Tatsache, bzw dieses Prinzip hat mich damals schon so genervt, dass es mir den Spaß am Spiel und am ganzen Genre genommen hat.

Zwischenzeitlich war dann mal Final Fantasy 7 auf der Play Station der heiße Scheiß aber das vermochte es noch viel weniger mich zu fesseln.

Halb so wild. Gab erstens noch genug zu zocken und um die Jahrtausendwende war zweitens mal Pause und „Erwachsensein“ angesagt.

Wir spulen vor ins Jahr 2015. Ich bin mitten drin im Retro-Fieber und versuche mir gerade meine Sammlung von damals wieder aufzubauen. Natürlich stolpere ich über das vermaledeite „Mystic Quest“. Es liegt da, auf einem Tisch auf dem Flohmarkt und für einen einstelligen Eurobetrag nehme ich es mit. Für die Sammlung.

Eines Tages kommen Langeweile und Gelegenheit zusammen und ich überlege mir, ich könnte dem Spiel noch eine Chance geben. Vielleicht mag ich es ja doch… mittlerweile?

Es hat sich nichts geändert. Selbst der Nostalgiefaktor lässt das Spiel nicht weniger altbacken wirken und das Spiel- und Kampfprinzip nervt mich immer noch unsäglich. Und doch … werde ich süchtig. Ich erfülle Aufgaben, befreie Orte von Flüchen, finde magische Kristalle, spiele es und „grinde“, um meinen Spieler hoch zu leveln und stärker zu machen und werde dabei permanent und unablässig im Spielfluss unterbrochen, weil wieder ein plötzlicher Kampf mit einem oder einer Gruppe Monstern ansteht, während ich von Ort zu Ort, von Verlies zu Verlies oder innerhalb der Verliese unterwegs bin.

Innerhalb etwa einer winterlichen Urlaubswoche habe ich es dann tatsächlich durchgespielt.

Ich hasse das Genre immer noch. Leidenschaftlich.

Und doch spiele ich gerade ein Remake des ersten Final Fantasy.

Wie oft ich schon mit den Zähnen geknirscht habe, weil ich auf der Karte unterwegs bin und eigentlich etwas suchte und dann durch einen Kampf aufgehalten wurde, wie oft ich auf der riesigen Landkarte die Orientierung verloren habe oder einfach nicht mehr weiß, was ich eigentlich vor hatte, weil ich permanent raus gerissen werde, kann ich nicht sagen. Ich frage mich sogar oft, wie es Square Soft (heute Square Enix) mit diesem repetitiven Spielprinzip geschafft hat, jemals so erfolgreich zu werden… aber ich spiele es unablässig.

Nicht, weil ich mir irgend etwas beweisen will. Nicht, weil ich wissen will, was in der Geschichte passiert, sondern weil es einfach süchtig macht und ich dem verfallen bin.

Ich freue mich schon darauf, den zweiten Teil anzufangen und ich musste dafür erst mal fast 40 Jahre alt werden.

Kochbuch 04

Die hier erzählte Geschichte und alle dazugehörigen Teile, sind frei erfunden. Jedwede Ähnlichkeit zu real existieren Menschen oder Ereignissen ist zufällig. Der Anfang dieser Geschichte ist hier zu finden: Kochbuch 01

Ich habe lange versucht, sie für diesen Klatsch und Tratsch unempfindlich zu machen. Ihr zu sagen, dass sie die Leute reden lassen soll, dass sie auf geschriebenes bitte nicht reagieren möchte, was sie oder uns betrifft.
Aber sie hat nie eine Distanz zwischen dem aufbauen können (oder wollen), was in sozialen Netzwerken geschrieben wird und was wirklich ist. Im Gegenteil. Sie versuchte mir klarzumachen, es sei meine Pflicht als Ehemann sie gegen diese Diffamierungen verteidigen, da auch meine Ehre auf dem Spiel und Prüfstand stehe. Schließlich müsse ein Ehemann, unter welchen Umständen auch immer, zu seiner Ehefrau stehen und sie mit allen Mitteln und gegen alles verteidigen.

Und tatsächlich habe ich auch das versucht, um ihr entgegen zu kommen. Um ihr zu zeigen, dass ich hinter ihr stehe, habe ich mich mit wildfremden Menschen über absolute Nichtigkeiten gestritten. Nicht online, sondern von Angesicht zu Angesicht. Zwar sagte ich ihr zuvor, dass ich ihr Handeln nicht gutheiße, doch ich verteidigte sie.

In vielen Fällen musste ich sie bitten, sich zu entschuldigen, da alles gegen sie sprach. Natürlich lehnte sie das aber kategorisch ab. Sie wisse, dass sie einen Fehler gemacht habe, sagte sie. Doch eine Entschuldigung kam in ihrer Welt und ihrem Verständnis nach einer Unterwerfung gleich und meine Aufgabe bestand darin, den Karren aus dem Dreck zu ziehen.

Statt Entschuldigungen Beteuerte sie mir gegenüber gerne, dass sich diese Dinge nicht mehr wiederholen würden. Leeres Gerede, wie sich herausstellte und es ging einfach so weiter. Sie schrieb ihre Kommentare, teilte weiter überall aus und ließ sich nicht davon abbringen ihre virtuelle Ehre zu verteidigen.

Ich hörte aber recht schnell wieder damit auf, für sie den Kopf hinzuhalten. Einerseits natürlich weil ich dieses Verhalten nicht mit meiner Unterstützung für sie fördern wollte, andererseits weil es mir unsagbar unangenehm war und mich die Menschen bereits ansprachen und mir sagten, ich möchte doch bitte mal ein ernstes Wort mit meiner Frau sprechen.

Diese Kämpfe ließ ich sie also ohne mich ausfechten. Die Kämpfe zwischen ihr und mir, die in regelmäßigen Abständen aufflammten, wenn wieder aufgebrachte Menschen bei mir anriefen, weil sie wieder sachen gegen jemanden geschrieben hat, reichten mir. So eine Geschichte sollte dann eines Tages auch der Tropfen werden, der mein Fass zum Überlaufen bringen würde. Doch ich will nicht vorgreifen.

Renn für dein Leben

Beim Marathon in Düsseldorf

Das waren sie also mal wieder. Die berühmten 42,195 km.

Die Nervosität vorher war schlimmer, als der Lauf selbst. Nervosität allerdings im Sinne von „ich will es endlich hinter mir haben“.

Mein selbst gestecktes Ziel war, in unter fünf Stunden ins Ziel zu kommen. Das habe ich tatsächlich geschafft.

Das ist aber noch nicht mal das, worauf ich wirklich stolz bin.

Was mich tatsächlich beeindruckt hat war, dass ich Tags drauf nicht mal Muskelkater hatte. Der schlimmste Schmerz, den ich davon getragen habe, war meine sonnenverbrannte Glatze.

Ich bin froh über meine Freunde, die für mich angereist sind und für mich durch die Stadt gelaufen sind, um mich an unterschiedlichen Stellen anzufeuern. Danke!

Jetzt genehmige ich mir erst mal den Luxus und warte auf schöneres Wetter, bevor ich wieder los lege, denn: nach dem Marathon ist vor dem Marathon.

Wenn das jeder täte…

… ja! Was dann eigentlich?

Diese Floskel wird ja gerne dann genutzt, wenn es gilt jemandem etwas auszureden. Ich versuche das mal umzukehren.

Auf der Straße herumfliegenden Müll einfach so aufheben und in die Tonne tragen…?

Wenn das jeder täte!

„Das macht doch keiner“ kommt dann gerne. Bequem.

Ja, ja! Ich bezahle auch Steuern für die Stadtreinigung. Ja, und? Ich frage nochmals: Was wenn jeder sich einfach mal nach Müll auf der Straße bücken würde?

Nicht nur, dass plötzlich die Straßen sauberer wären; es gäbe mit einem Mal auch ein breiteres Bewusstsein dafür, dass es scheiße ist die Straßen dreckig zu machen und voilà: keiner braucht sich mehr nach Müll zu bücken.

Anderes und von mir gerne gewähltes Beispiel: das Auto stehen lassen. Ja, ja. Ich weiß. Du armes, kleines, unbedeutendes Menschlein. Was trägst du denn schon zum weltweiten CO2-Ausstoß bei?

Selbstverständlich nix. Bleib schön dabei und nimm zum Brötchenholen dein Auto. Er ist ja auch extra sparsam und erfüllt auch die neueste EU Abgasnorm und die neuesten Abgasnormen von VW und aller anderen ehrlichen Autohersteller. Und es machen ja auch sowieso alle so, warum also sollst du anfangen?

Wo kämen wir denn da hin, wenn jeder auf einmal sein Auto stehen ließe?

Freiere und sicherere Straßen sind ja utopisch. Und Sauberkeit sowieso, wie ich oben schon festgestellt habe. Warum soll also sauberere Luft da einen Unterschied machen. Da nimmst du gerne das bisschen Ärger über die anderen Autofahrer in Kauf. Oder die lästige Parkplatzsuche in der Stadt. Und die Knöllchen gehören zum Einkaufserlebnis dazu.

Außerdem: Wenn das jeder täte?!

Die arme Autoindustrie und die vielen Arbeitsplätze erst!
Sollen die alle Fahrräder bauen gehen?

Ne, bleib schön bequem bei dem, was du kennst und ruh dich aus auf deiner Gewohnheit, deinem Luxus, den du längst für Lebensnotwendig hältst, ohne dir das eingestehen zu wollen.

Ohne Fleisch, ohne Auto, ohne Ananas, ohne… warum sollst du verzichten? Ist doch alles da.

Einen Tag in der Woche ohne Fleisch? Das lässt du dir von niemandem sagen! Aus Prinzip! Du lässt dich nicht bevormunden!

Und dann diese lästigen, lästigen Leute, die von ihrem hohen Ross herab reden und zeigen, dass es auch ohne geht. Und dann kommen die sich auch noch so vorbildhaft vor dabei. Die können das ja. Die haben ja nicht den Zwang, den du hast. Die müssen ja nicht immer Wasserkästen transportieren oder ihre Kinder jeden Tag zur Schule fahren oder haben Rücken oder sie sind eh arbeitslos und brauchen auch nicht zur Arbeit.

Du hast schon deine Gründe für deine Beque… – deinen Zwang. Und verdient hast du dir das, du arme*r.

Wenn es endlich vernünftige Alternativen gibt, dann machst du gerne mit. Aber warum sollst du einen Schritt in die Richtung machen?

Macht ja eh keiner.

Fahren Sie fort!

Intelligenter sein ist anstrengend. Intelligenter handeln ist noch anstrengender.

Die Welt wird sich weiter drehen. Menschen werden andere Menschen voranbringen und unglaubliches leisten.

Es muss nur die richtige Umgebung geschaffen werden und ein Beethoven wird seine Symphonien, ein Goethe seine Bücher schreiben, ein Van Gogh seine Bilder malen können.

Es wird immer Menschen geben, die mit Neuem nicht umgehen wollen und es ablehnen.

Es wird immer Menschen geben, denen Veränderung so große Angst macht, dass sie fast wahnsinnig werden und andere genauso wahnsinnig mit ihrer Angst machen müssen.

Es wird immer Menschen geben, die nicht dumm sind, sich aber in einer gespielten Dummheit ausruhen, weil es einfach ist. Damit alles so bleibt, wie es ist. Weil sie wollen, dass für sie selbst alles bleibt, wie es ist.
Es wird immer Menschen geben, denen ist das eigene Wohl lieber als das der Gemeinschaft, in der sie leben.

Es wird immer Menschen geben, die so viel haben, dass sie vor Angst, dass es ihnen jemand wegnehmen könnte, fast wahnsinnig werden und andere genauso wahnsinnig mit ihrer Angst machen müssen.

Es wird immer Menschen geben, die dankbar sind für alles, was sie haben dürfen, so lange sie hier sind und die wissen, dass sie eigentlich überhaupt nichts haben, weil sie bald wieder weg sind.

Es wird immer Menschen geben, die immer da sind, wenn andere ihre Hilfe brauchen und dafür nichts wollen und es wird immer Menschen geben, die das dankbar annehmen und Menschen, die das nicht zu schätzen wissen und Menschen, die neidisch auf jene blicken, die Hilfe brauchen, einfach weil sie Hilfe kriegen.

Es wird immer Menschen geben, die sich nicht der gespielten Dummheit hingeben und sich der Verantwortung und der Mühe stellen intelligenter zu sein.

Es wird immer Menschen geben, die alle anderen weiter bringen. Komme, was wolle.

Einfach vergessen!

Ein Elternpaar steht Arm in Arm da und winkt seinem Kind nach, was endlich erwachsen ist und in die Welt hinaus geht.

Die Mutter fragt plötzlich mit einem Anflug von Sorge in der Stimme ihre Frau, ob sie auch nichts vergessen haben.
Die andere Mutter blickt verdutzt und fragend zu ihr, zweifelnd doch mit aufkeimender Befürchtung. Sie beruhigt ihre Frau, doch kurz darauf fragt sie trotzdem zurück, was ihre Frau denn meine.
,,Du weißt schon … früher?”
Erschrocken weitet sich der Mutter Blick und beide rufen ihr Kind, um ihm noch diese wichtige Information mit auf den Weg zu geben.


,,FRÜHER WAR ALLES BESSER!”

Doch das Kind hört es nicht mehr.

Differentialrechnung

Ich bekomme oft gesagt, ich müsse auch „die andere Seite“ betrachten. Die sei nämlich auch nicht besser.

Natürlich bekomme ich diese Aufforderung nicht aus heiterem Himmel, sondern immer dann, wenn ich mich mit jemandem über das Thema Integration unterhalte.

Am liebsten würde ich die Diskussion an dieser Stelle mit einem „F*** Y**!“ beenden, doch mein gutes Benehmen und mein Wille zur Diplomatie zwingen mich dazu, dabei zu bleiben.

Es geht mir weder hier noch sonst irgendwo darum, mit dem Finger auf Leute zu zeigen. Es geht mir nicht darum aufzuzählen, was andere scheiße machen. Das tun andere besser als ich und verdienen damit ihr Geld. Wer jemanden sucht, der die Fehler Anderer aufzeigt, findet hierfür allerlei Plattformen und Medien, um hinterher sagen zu können „endlich sagt es mal einer!“. Der Springer-Verlag freut sich über jeden Leser.

Es geht mir darum, ein paar Schritte zurück zu gehen und die Dinge mit etwas Abstand zu betrachten.

Ich habe mir auf meine ganz eigene Fahne geschrieben immer mit dem anzufangen, den ich ändern kann: mir selbst.
Weiterhin halte ich die Menschen, die Wert auf meine Ansicht legen dazu an, das auch zu tun und immer zuerst bei sich selbst zu schauen.

Wenn ich hier von Gegebenheiten berichte, die mir oder meinen Geschwistern widerfahren sind, dann sind das erst mal Berichte. Nichts weiter. Wie du damit umgehst, ist deine ganz eigene Sache. Es sagt aber etwas über dich aus.

Suchst du in dir danach, wie du in einer solchen Situation handeln würdest, wie du dich verhalten würdest oder fängst du an zu argumentieren „die sind doch auch so“?

Ich bin nicht blöd, hoffe ich.

Ich weiß, dass Integration keine Einbahnstraße ist und dass nicht nur der Wille da sein muss zu integrieren, sondern auch integriert zu werden (ver****t nochmal!). Aber wie dumm und wie kindisch ist es denn, in einer solchen Diskussion, bei einem solchen Problem immer den Finger auszustrecken und zu sagen „die sollen aber auch“!

Geh doch einfach davon aus, dass die dumm sind! Nein – Entschuldigung. Geh davon aus, dass du intelligent bist. Das kannst du sicher.

Intelligent sein ist anstrengend! Du musst immer Verständnis haben für andere. Du musst gegebenenfalls sogar für andere mitdenken, die gewisse Dinge nicht verstehen.

Das schlaucht, ich weiß. Aber so ist es nun mal.

Mir persönlich ist das Resultat, wenn ich ein paar wenige mitnehmen kann lieber, als wenn ich mich in einer aufgesetzten Dummheit zurücklehne und darauf warte, dass andere, die es einfach nicht besser wissen können, mir entgegen kommen. Mir ist meine Variante lieber als dauernd mit dem Finger auf andere zu zeigen und sich einer gefühlten Machtlosigkeit zu ergeben.

„Du kannst die Welt auch nicht verändern!“ – Ja, wer denn sonst?