Einfach vergessen!

Ein Elternpaar steht Arm in Arm da und winkt seinem Kind nach, was endlich erwachsen ist und in die Welt hinaus geht.

Die Mutter fragt plötzlich mit einem Anflug von Sorge in der Stimme ihre Frau, ob sie auch nichts vergessen haben.
Die andere Mutter blickt verdutzt und fragend zu ihr, zweifelnd doch mit aufkeimender Befürchtung. Sie beruhigt ihre Frau, doch kurz darauf fragt sie trotzdem zurück, was ihre Frau denn meine.
,,Du weißt schon … früher?”
Erschrocken weitet sich der Mutter Blick und beide rufen ihr Kind, um ihm noch diese wichtige Information mit auf den Weg zu geben.


,,FRÜHER WAR ALLES BESSER!”

Doch das Kind hört es nicht mehr.

Differentialrechnung

Ich bekomme oft gesagt, ich müsse auch „die andere Seite“ betrachten. Die sei nämlich auch nicht besser.

Natürlich bekomme ich diese Aufforderung nicht aus heiterem Himmel, sondern immer dann, wenn ich mich mit jemandem über das Thema Integration unterhalte.

Am liebsten würde ich die Diskussion an dieser Stelle mit einem „F*** Y**!“ beenden, doch mein gutes Benehmen und mein Wille zur Diplomatie zwingen mich dazu, dabei zu bleiben.

Es geht mir weder hier noch sonst irgendwo darum, mit dem Finger auf Leute zu zeigen. Es geht mir nicht darum aufzuzählen, was andere scheiße machen. Das tun andere besser als ich und verdienen damit ihr Geld. Wer jemanden sucht, der die Fehler Anderer aufzeigt, findet hierfür allerlei Plattformen und Medien, um hinterher sagen zu können „endlich sagt es mal einer!“. Der Springer-Verlag freut sich über jeden Leser.

Es geht mir darum, ein paar Schritte zurück zu gehen und die Dinge mit etwas Abstand zu betrachten.

Ich habe mir auf meine ganz eigene Fahne geschrieben immer mit dem anzufangen, den ich ändern kann: mir selbst.
Weiterhin halte ich die Menschen, die Wert auf meine Ansicht legen dazu an, das auch zu tun und immer zuerst bei sich selbst zu schauen.

Wenn ich hier von Gegebenheiten berichte, die mir oder meinen Geschwistern widerfahren sind, dann sind das erst mal Berichte. Nichts weiter. Wie du damit umgehst, ist deine ganz eigene Sache. Es sagt aber etwas über dich aus.

Suchst du in dir danach, wie du in einer solchen Situation handeln würdest, wie du dich verhalten würdest oder fängst du an zu argumentieren „die sind doch auch so“?

Ich bin nicht blöd, hoffe ich.

Ich weiß, dass Integration keine Einbahnstraße ist und dass nicht nur der Wille da sein muss zu integrieren, sondern auch integriert zu werden (ver****t nochmal!). Aber wie dumm und wie kindisch ist es denn, in einer solchen Diskussion, bei einem solchen Problem immer den Finger auszustrecken und zu sagen „die sollen aber auch“!

Geh doch einfach davon aus, dass die dumm sind! Nein – Entschuldigung. Geh davon aus, dass du intelligent bist. Das kannst du sicher.

Intelligent sein ist anstrengend! Du musst immer Verständnis haben für andere. Du musst gegebenenfalls sogar für andere mitdenken, die gewisse Dinge nicht verstehen.

Das schlaucht, ich weiß. Aber so ist es nun mal.

Mir persönlich ist das Resultat, wenn ich ein paar wenige mitnehmen kann lieber, als wenn ich mich in einer aufgesetzten Dummheit zurücklehne und darauf warte, dass andere, die es einfach nicht besser wissen können, mir entgegen kommen. Mir ist meine Variante lieber als dauernd mit dem Finger auf andere zu zeigen und sich einer gefühlten Machtlosigkeit zu ergeben.

„Du kannst die Welt auch nicht verändern!“ – Ja, wer denn sonst?

Kochbuchabschweifung

Die hier erzählte Geschichte und alle dazugehörigen Teile, sind frei erfunden. Jedwede Ähnlichkeit zu real existieren Menschen oder Ereignissen ist zufällig. Der Anfang dieser Geschichte ist hier zu finden: Kochbuch 01

Bevor ich mit der Geschichte fortfahre, bitte ich darum kurz abschweifen zu dürfen, weil es wieder einmal ein Gespräch zwischen mir und meiner Anwältin gegeben hat, was mich an meinem Verstand zweifeln lässt. Dieser Zweifel stellt sich mir in letzter Zeit sehr oft ein. Ich bitte um deine Geduld, liebe Leserin, lieber Leser. Das hier wird etwas länger aber es muss jetzt erst mal raus.

Seit der finalen Trennung, zu der es Ende 2016 gekommen ist, wenn ich das vorweg nehmen darf, kämpfe ich um Umgang mit meinem Sohn, der, während ich das schreibe, drei Jahre alt ist. Hagar versucht diesen Umgang mit allen Mitteln zu unterbinden. Dafür sind ihr auch üble Nachrede, Diffamierung und Fantastereien übermich als Mittel recht und billig.

Diese Geschichten sind oft derart bei den Haaren herbeigezogen, dass ich meist selbst nur den Kopf darüber schütteln kann.
Wenn sie beispielsweise behauptet, ich und meine Familie seien Teil mehrerer Schleuserbanden. Wir, also meine Familie und ich, würden die nächste Gelegenheit nutzen und meinen Sohn aus Deutschland heraus… tja, was sagt man dazu? Schleusen? Meine Eltern seien, Hagars Aussage nach sogar derart unfähig auf ein Kind aufzupassen, sie würden meinen Sohn bei nächster Gelegenheit töten wollen.

Das sind Geschichten, die lese ich in den anwaltlichen Briefen, die höre ich mir vor Gericht an, ziehe die Augenbrauen hoch und frage mich, wo dieser Mensch die Grenzen zieht. Die Grenzen dessen, was man einem anderen Menschen antun kann. Diese Geschichten lese und höre ich, schüttle darüber den Kopf und weiß – ich hoffe inständig, dass sie niemand glaubt.

Dann gibt es aber die Geschichten, die wie Messer sind und die mir durch mein Innerstes gehen, weil sie Menschen die mich nicht kennen, glaubhafter erscheinen können und diese Menschen mich tatsächlich für jemanden halten, der ein Kind schlagen würde.
Warum? Weil sie, weil Hagar das behauptet.

Es gibt diese Geschichten, die keinen anderen Hintergrund als Böswilligkeit haben und die nichts anderes zum Ziel haben, als mich als jemanden darzustellen, der ich nicht bin. Diese Geschichten tun mir besonders weh. Sie reißen riesige Löcher in mich, weil sie von einem Menschen kommen, dem ich eines Tages mal vertraut habe. Sie kommen von einer Frau, der ich eines Tages mal helfen wollte. Sie tun mir besonders weh, weil meine Bemühungen, dieser Frau weg von ihrem ewigen Kampf, hin zur Gutmütigkeit zu helfen, nun die Frucht trägt, dass ich dafür büßen soll.

Das wahrlich absurde sind jedoch in all diesem nicht die Geschichten, die sie so fantasievoll erdenkt und erzählt, sondern dass man ihr glaubt. Oder wohl glauben muss? Und dass ich nicht angehört werde.

Wir, die wir hier in diesem Rechtssystem aufgewachsen sind, denken zunächst, dass als Erstes die Unschuldsvermutung gilt. In diesem Fall hat aber das Wohl des Kindes und das Vorsichtsgebot die oberste Priorität, was ich absolut richtig finde. Behauptet die Mutter, der Vater schlage das Kind, dann muss dem zuerst geglaubt werden.

In diesem Zusammenhang wird allerdings die Möglichkeit außer Acht gelassen, dass die Mutter dem Kindeswohl schaden könnte.
So weit möchte ich in meiner Abschweifung jetzt aber gar nicht gehen. Das wird aber leider Inhalt einer anderen Geschichte werden müssen.

Hier geht es mir darum zu berichten, dass ich im Verlaufe der vergangenen drei Jahre immer wieder feststellen musste, dass die Anwälte, die mich vertreten sollten, zuerst alle sehr motiviert auf mich wirkten. Sie stimmten mir in meinen Ausführungen zu, sie machten mir Mut, sie schüttelten den Kopf über die Dinge, die Hagar über mich erzählt und wie sie sich vor Gericht aufführt. Und vor Allem äußerten sie Unverständnis über die Untätigkeit ihrer Anwaltsvorgänger. Mittlerweile habe ich nämlich schon einige Anwälte gewechselt, weil ich eben immer wieder irgendwann feststellen musste, dass ich nicht mehr vertreten werde.

Während die Anwältin Hagars jede noch so krude Behauptung vor Gericht aufstellt, diese angehört werden und ihnen immer mehr hinzugefügt wird, wird mir regelrecht der Mund verboten und ich bekomme nicht mal die Gelegenheit mich gegen diese Behauptungen zur Wehr zu setzen. Ich soll diese alle „charmant wegstecken“, wie es mir meine jetzige Anwältin immer wieder rät.

Was für eine tiefe Abneigung ich mittlerweile gegen dieses „charmant wegstecken“ entwickelt habe, malt sich meine Anwältin vermutlich nicht aus. Es wirkt auf mich, als glaube sie ich wolle ebenso unverschämt, laut und frech vor Gericht sein wie Hagar. Dabei will ich einfach nur sagen, dass diese Behauptungen über mich falsch sind.

Wann immer Hagar Geschichten darüber erzählt, wie brutal und aggressiv ich gewesen sein soll, bekomme ich keine Möglichkeit zu einer Gegendarstellung, weil entweder der Richter am liebsten schnell abschließen will oder sie mir ins Wort fällt.

Ihre Anwältin hingegen scheint sie gar dazu anzustacheln solche Geschichten zu erzählen, um dadurch Zeit und Mitleid zu gewinnen. Sie nimmt es mit dem Richter auf und beharrt auf jedes noch so kleine Recht ihrer Mandantin. Sie legt sich mit dem Richter regelrecht an, bis der mit seiner Geduld am Ende ist, was sich auch auf mich auswirkt.

Während Hagar sich vor Gericht verlässlich und regelmäßig daneben benimmt und sich nicht an Absprachen hält, bin ich der, der Kompromisse eingeht, den Dialog sucht und immer wieder betont, dass ich nur mehr Zeit mit meinem Sohn verbringen möchte.
Bei unserem aller ersten Gerichtstermin stillte sie unseren Sohn im Gerichtssaal, obwohl sie damit bereits zwei Monate zuvor aufgehört hatte.

Mein Wille Zeit mit meinem Sohn zu verbringen ist, soweit ich das gelesen habe, auch alles andere als selbstverständlich, weswegen ich nicht verstehe, weshalb ihr dabei geholfen wird, mir das zu erschweren.
Ihr erklärtes Ziel ist es, das zu verhindern.

Ich habe hierzu noch so viel auf der Seele, doch es wird noch genug Gelegenheit geben das alles zu erzählen. Sie wird mir noch genug Gelegenheit geben. Aber jetzt erst mal weiter mit der Geschichte.

Paralipse

Als Subscriber meines Geschreibsels hier, möchte ich dich, liebe Leserin, lieber Leser gerne dafür belohnen, dass du mir folgst.
Heute habe ich das große Bedürfnis danach mich dafür mit einem Ohrwurm zu bedanken, der mich schon den ganzen Tag (mindestens) begleitet.

Dass es in meinen Blog passt, weil es lebensbejahend und von Grund auf positiv ist, lasse ich hierbei unerwähnt und wünsche ein schönes Wochenende!

Also ohne weiteren Aufschub:

DON’T STOP ME NOW!

Gern geschehen! 😉

Kochbuch 03

Die hier erzählte Geschichte und alle dazugehörigen Teile, sind frei erfunden. Jedwede Ähnlichkeit zu real existieren Menschen oder Ereignissen ist zufällig. Der Anfang dieser Geschichte ist hier zu finden: Kochbuch 01

Ich studierte zu dem Zeitpunkt, als ich sie kennen lernte, in Bonn Informatik. Ich war kein Überflieger, kam aber gut voran. Im Studentenwohnheim hatte ich Kontakt zu vielen Menschen und hatte Gelegenheit mein offenes Wesen auszuleben. Ich saugte alle Eindrücke auf und freute mich über jeden neuen Einfluss. Jeder neue Mensch war eine Bereicherung für mich und mein Freundeskreis wuchs stetig.

Meine Welt war stabil und mir konnte nichts passieren. Glaubte ich.

In meiner Naivität hielt ich mich für so stark, dass ich dachte ihr und womöglich noch allen anderen aus ihrer Familie helfen zu können, die meine Hilfe haben wollten. Dass schließlich nicht ich sie hoch-, sondern sie mich herunterziehen würde, konnte ich nicht ahnen und hätte es auch nie geglaubt.

Wie hätte ich ahnen können, dass es darauf hinauslaufen würde, dass sie das Gift ihres Elternhauses bereits derart verinnerlicht hatte, dass sie es selbst nicht mehr als Fremdstoff wahrnahm, sondern es anscheinend lebensnotwendig geworden war. Dass sie mittlerweile dieses Gift selbst versprühte und es brauchte, wie die Luft zum Atmen.

Und sie hat mich damit krank gemacht. Mit ihrer andauernden Verlustangst und Eifersucht, die so weit ging, dass sie jeden Bezug und jede Erinnerung an meine Vergangenheit ohne sie bei mir auszulöschen versuchte. Fotos, Hobbys in Form meiner Gitarre, ja sogar Kleidung, die mein altes Leben vor ihr in einer bestimmten Weise repräsentierten, verschwanden spurlos.

Ihre Missgunst anderen Menschen gegenüber brachte uns oft in Schwierigkeiten. Unzählige Male fand ich mich in der unangenehmen Situation wieder, uns wegen etwas rechtfertigen, verteidigen oder entschuldigen zu müssen, wozu sie in facebook etwas sagen musste.

Der Inhalt war immer trivial und beschränkte sich auf Klatsch und Tratsch, der dort unter ihresgleichen herrschte. Das war für sie wie ein Lebenselixier und sie beteiligte sich rege daran. Selbstverständlich trug sie auch ihren Teil bei, was dazu führte, dass ich es oft mit aufgebrachten Ehemännern oder Frauen zu tun hatte, die mir haarsträubendes darüber berichteten, was sie geschrieben haben soll. Ebenso schockierend war es für mich zu erfahren, über welche Nichtigkeiten sie sich mit diesen Leuten stritt. Leute, mit denen ich sonst nichts zu tun hatte oder haben wollte.

Widerwillens

(This post is also available in English: “Repugnance” )

Spreche ich davon, wie ich mit den Einflüssen der Welt auf mich umgehe, werde ich oft verwundert angesehen. Besonders im Bezug auf meine Einstellung zu Nachrichten oder dem, was wir als solche aufgedrückt bekommen.

Ich schaue keine Nachrichten. Nicht freiwillig. Kriege ich sie doch irgendwo widerwillens unter die Nase gerieben, erinnert es mich warum ich dabei bleiben werde.

Ich wage sogar zu behaupten, dass ich mit dieser Entscheidung besser lebe, als manch eine, die täglich stundenlang Nachrichten konsumiert. Vielleicht nicht am Stück. Aber von der morgendlichen Meldung die verfolgt wird, über den Ticker, der uns den ganzen Tag mit Eilmeldungen begleitet, bis zur abendlichen, ausführlichen Berichterstattung mit Hintergründen und bildreichem Material.

Was tut das mit uns? Mit mir tat es, dass es Probleme vergrößerte, die eigentlich keine oder nicht meine sind. Es richtet den Fokus auf Dinge, die nichts mit mir zu tun haben. Dinge, die sicher oft schlimm sind, doch an denen ich nichts ändern kann. Weder durch, noch ohne mein Wissen von ihrer Existenz. Sie machen mich traurig, wütend, krank.

Gründe dafür zu suchen, weshalb ich diese Nachrichten verfolgte wie alle anderen auch, erscheint mir müßig. Wahrscheinlich aus dem Grund, den mir jeder nennt, wenn ich sage, dass ich keine Nachrichten gucke: man will doch informiert sein. Heute sage ich: warum?

Was bringt es mir zu wissen, dass es in den USA wieder eine Schießerei in einer Schule gegeben hat? Es sorgt ausschließlich dafür, dass wir Angst davor kriegen, dass so etwas auch bei uns passiert.

Was hat es für einen Wert für mich zu wissen, dass die griechische Wirtschaft zusammenbricht und Deutschland eingreift? Macht das meinen Schlaf irgendwie angenehmer? Oder wird mein Schlaf dadurch angenehmer, dass ich so etwas weiß und mich darüber aufregen kann? Meiner Erfahrung nach nicht. Warum muss ich über ein solches Thema „mitreden“ können, dazu eine Meinung haben? Es gibt genug Halbwissende, „Experten“ und „Fachleute“, ohne dass ich meinen Senf dazu gebe.

Was hat es für einen Wert für mich, wenn mal wieder gezeigt wird, wie Menschen in Gaza von allen Seiten eingesperrt und systematisch ausgehungert werden? Ich kann es nicht ändern und Taten der Welt zu diesem Thema tragen nicht dazu bei, dass ich glaube, dass es Gerechtigkeit auf der Welt gibt.

Warum muss ich mir, um als informiert zu gelten, en Detail ansehen, wie Menschen auf aller Welt sich gegenseitig aus den idiotischsten Gründen abschlachten?
Was bringt es mir zu wissen, dass alle wissen, dass es Organisationen gibt, die systematisch seit Jahrhunderten Kinder missbrauchen und es Menschen gibt, die ihre Kinder trotzdem weiter dort hinschicken?

Und je deutlicher, je bildhafter es mir dargeboten wird, desto … besser?

Es hat keinen Wert für mich und mein Leben. Es zerstört mir mein Wohlbefinden und führt zu einem kranken Geist, der ständig das schlimmste befürchtet. Es führt dazu, dass wir Menschen nach den Taten anderer Menschen verurteilen, weil wir Rückschlüsse ziehen. Ich weiß all diese schlimmen Dinge selbst und ich kann nichts daran ändern, also ändere ich meine Einstellung zu diesen Einflüssen und jenen, die vom Verkauf dieses alltäglichen Hasses leben. Ich muss mich nicht dauernd daran erinnern lassen, danke.

Ich entlarve sie für mich. Ich höre ihrem Geschrei nicht mehr zu und halte mich fern von dem, was sie in mir erreichen wollen. Das Säen von Hass und Vorurteilen durch die klare Nennung von Zugehörigkeit. Es ist noch kein Opfer eines Attentats dadurch zurück gekommen, dass wir das Motiv des Täters nannten. Das ist vielleicht interessant für behandelnde Ärzte aber es ist schädlich für die meisten anderen Menschen. Ich halte mich fern von jenen, die predigen wie schlecht ich es angeblich habe, weil wir als Gemeinschaft anderen helfen, die Hilfe nötig haben. Ich hoffe niemals fliehen zu müssen.

Ich halte mich fern von jenen, die Neid und Missgunst unter den Menschen verbreiten und das unter dem Deckmantel der Information tun. Ich halte mich fern von jenen, die aus der detaillierten Darstellung alles Schlechten Profit schlagen.

Versuch es mal!

Stolz

– bin ich auf etwas, was ich selbst, alleine oder mit Hilfe von jemand anderem geleistet habe.

Etwas, worin ich Arbeit gesteckt habe, was ich erschaffen habe. Etwas, was vorher da war und was ich verbessert habe. Darauf kann ich stolz sein.

Ich kann stolz sein auf meine Brüder und Schwestern, die tolle Menschen geworden sind.
Die es geschafft haben, allen Widrigkeiten zum Trotz, gute Eltern zu werden und die wiederum Kinder groß ziehen, auf die sie stolz sein können.

Ich kann auf meine Geschwister stolz sein, die trotz ihrer Höhen und Tiefen im Leben, doch auf einen Weg gekommen sind, auf dem es für sie weiter geht und ich kann stolz darauf sein, wenn ich dazu einen Beitrag geleistet habe.

Ich bin stolz auf meine gedanklichen Ergüsse hier. Auch wenn sie in der riesigen Sanduhr der Zeit nicht mehr als einen sandkorngroßen Fleck auf einem Sandkorn ausmachen. Ich kann darauf zeigen und sagen „das habe ich gemacht!“

Ich kann stolz darauf sein, dass ich die Disziplin und die Ausdauer bewiesen habe, einen Marathon gelaufen zu sein. Ich kann stolz darauf sein, dass ich meinen Körper so gepflegt habe, dass er dieser Strapaze stand hält.

Ich kann von Glück reden, dass ich einen Körper bekommen habe, der die Voraussetzungen dafür hatte.
Ich kann von Glück reden, dass ich gute Gene geerbt habe und diese wiederum gut aus unzähligen Generationen weiter gegeben worden sind, die sich immer vermischt haben, um schließlich mich zu ergeben.

Darauf kann ich nicht stolz sein. Das war Glück.

Ich kann von Glück reden, dass ich hier geboren worden bin. Dass meine Eltern hierher gekommen sind und hier eine bessere Zukunft für sich und ihre Kinder gesehen haben und diese Chance ergriffen haben.

Ich kann von Glück reden, umgeben zu sein von lieben Menschen, die sie in diese Welt, in diese Umgebung gesetzt haben, so dass wir alle voneinander etwas haben.
Auch ihre Eltern haben sich vor kurzer oder vor langer Zeit dazu entschlossen hier zu bleiben.

Unser großes Glück.

Unser großes Glück, dass wir unser Glück erkennen und nicht verkünden stolz auf etwas zu sein, was uns zugefallen ist. Wir sind nicht stolz hier zu leben oder hierzu zu gehören. Wir sind glücklich und froh darüber, dass wir hier sind. Daran haben wir nichts getan. Das ist das Feld auf dem großen Spielfeld, auf dem wir anfangen durften zu laufen. Dafür habe ich nichts getan.

Ich bewundere das, was andere Menschen hier und überall geleistet haben und strebe an, meinen Teil dazu beizutragen, damit andere auch das Glück haben hier gut leben und sich daran erfreuen zu können.

Darauf ein (Nationalität) zu sein kann ich nicht stolz sein. Dafür habe ich nichts getan.

Mehr Freizeit für alle!

Die heutigen Ausgabe der Serie ,,gute Neigkeiten” beinhaltet die Freude über den Stand der Technik und wie sich das auf unsere Arbeit auswirkt.

Im Jahre 2019 sind wir technologisch so weit, dass wir einen Großteil der schweren, körperlichen und uns Menschen krankmachenden Arbeit, von Maschinen erledigen lassen können.
Der Traum, der Generationen vor uns über Jahrtausende antrieb, ist in Erfüllung gegangen und wir können uns endlich auf uns und unser Leben konzentrieren.

Seit es uns Menschen gibt, sind wir darum bemüht, uns Arbeit zu vereinfachen. Weil sie entweder zu schwer, zu gefährlich oder schlicht zu langweilig ist.
Das äußerte sich beim frühen Menschen in der Weiterentwicklung von Waffen zur Jagd oder Werkzeug zum Spalten einer Kokosnuss oder Heben eines Steins oder zum Hobeln eines Holzstücks… was du möchtest.

Wir sind so weit gekommen, dass wir nur noch Knöpfe bedienen müssen und diese dazu führen, dass große Apparate sehr viel genauer das machen, was wir vorher mit mühevoller Arbeit und viel Zeitaufwand selbst erledigen mussten.

Wir brauchen keinen Stellmacher oder Wagner, der Räder mit Speichen versieht und hierfür lange braucht. Es gibt Maschinen, die das mit einer für Menschen unmöglichen Präzision erledigen. Die Menschen, die das machen mussten, haben nun Zeit sich anderen Dingen zu widmen.

Wir brauchen keine Setzer und Drucker mehr, die unsere Zeitungen setzen bevor sie in den Druck gehen. Diese Dinge geschehen heute am Bildschirm eines Computers sehr viel genauer und mit keiner Berührung mit giftiger Druckerschwärze. Diese Menschen können sich heute mit schönen Sachen beschäftigen.

Wir benötigen keine Menschen mehr in großen Fabrikhallen, die schwere Teile für den Fahrzeugbau transportieren. Das wird heute alles mit Schaltern, Knöpfen und Hebeln durch viel weniger Menschen gemacht und die Menschen, die dort arbeiteten verletzen sich nicht mehr an gefährlichen Maschinen oder durch schwere Teile.

Die Fließbänder, an denen Menschen saßen, die eintönige und unnatürliche Arbeit taten, werden größtenteils von Robotern bewacht und die Menschen, die dort saßen, können sich auf Dinge fokussieren, die ihnen mehr Freude machen.

Der nächste Schritt wäre nun diese Freiheiten und Errungenschaften als solche zu erkennen und uns darüber zu freuen, dass wir so weit gekommen sind. Der Darauf folgende Schritt wäre dann, aus dieser Freude Energie für etwas neues zu schöpfen, statt an Dingen festzuhalten, die nicht mehr gebraucht zu werden, um beschäftigt zu sein.

Leben ist Bewegung. Bewegen wir uns.

Kochbuch 02

Die hier erzählte Geschichte und alle dazugehörigen Teile, sind frei erfunden. Jedwede Ähnlichkeit zu real existieren Menschen oder Ereignissen ist zufällig. Der Anfang dieser Geschichte ist hier zu finden: Kochbuch 01

Alle beugten sich der despotischen Herrschaft des Patriarchen und seiner Handlanger, der Söhne. Es gab keinerlei Widerstand in dem Haushalt, in dem meine Ex aufgewachsen ist. Die Söhne durften am schulischen und gesellschaftlichen Leben teil haben, die Töchter nicht. So war es in ihrer Welt einfach. Widerstand wurde mit Gewalt erstickt und da, wo die Religion nicht als Totschlagargument funktionierte, weil sie diese Umstände nicht stützte, wurde sich auf die Sitten und Gebräuche berufen.

Vielleicht höre ich mal auf, sie immer nur „meine Ex“ zu nennen. Ihr Name ist Hagar. Die Hoffnung für sie, ihren heimischen Umständen zu entfliehen, bestand in der Flucht durch Heirat.

Einfach ohne zu heiraten abhauen, kam für sie nicht infrage. Die Angst davor, dass die Familie sonst gewalttätig gegen sie sein könnte und eventuell auch gegen den Menschen mit dem sie flieht, hier also mich, war zu groß und eine Heirat sollte das verletzte familiäre Ehrgefühl zumindest dämpfen.

Nach unserer amtlichen Eheschließung, mehr war es nicht, war aber die Sorge und Angst nicht weg. Genauso wenig war anscheinend die Ehre ihrer Familie geschont geblieben. Am selben Abend noch begannen sie damit nach uns zu suchen. Und noch am selben Abend veranlassten wir eine Auskunftssperre bei der Polizei.

Ich war ihr zweiter großer, und bis dahin längster Fluchtversuch. Bevor ich kam, hatte sie schon etliche vorsichtigere Versuche unternommen. Sechs Mal hatte sie sich verlobt und zwei Mal eine islamische Trauung probiert, um auf diesem Weg dort heraus zu kommen. Die Herren, die es vor mir versucht hatten, hatten allerdings entweder nicht die Geduld oder nicht den Willen diesem gebrochenen Menschen zu helfen. Das ist aber Spekulation.
Sie erzählte mir während unserer Ehe, dass sie den Respekt vor manchen Herren verloren hatte, die sich genau wie sie selbst, von ihrer Familie einschüchtern ließen. Darauf verließ sie diese Männer, die sich nicht als die Ritter erwiesen, die sie in ihnen zuerst gesehen hatte und suchte woanders weiter.

Dass in einer Partnerschaft kein Platz für Gewalt jedweder Art ist, war und ist für mich selbstverständlich und das wollte ihr auch zeigen. Mein Glaube an das prinzipiell Gute im Menschen war Antrieb und ich wollte das bei ihr zutage fördern, es kultivieren. Hoffend, glaubend, wissend, dass in diesem Menschen auch etwas Wunderbares steckt – stecken muss!

Wenn sie mich ließ, wollte ich ihr die Liebe geben, die ihr in ihrem bisherigen Leben gefehlt hatte und die jeder Mensch zum Leben braucht.
Wenn sie mich ließ, wollte ich ihr dabei helfen, sich von den Taten ihrer Familie loszusagen. Wenn sie mich ließ, wollte ich ihr und mir beweisen, dass Kinder nicht die Fehler der Eltern erben und auch nicht danach gerichtet werden dürfen.

Kochbuch 01

Die hier erzählte Geschichte und alle dazugehörigen Teile, sind frei erfunden. Jedwede Ähnlichkeit zu real existieren Menschen oder Ereignissen ist zufällig.

Ich komme nicht umhin, Mitleid mit dieser Frau zu verspüren. Jetzt, wie damals.

Selbst nach all den Dingen, die sie mir angetan hat und immer noch antut. Sie ist, wenn ich ihre Vergangenheit und ihr bisheriges Leben in Betracht ziehe, nur das Produkt schlimmer Einflüsse. Und mein Mitleid und meine Empathie sind wahrscheinlich die Gründe dafür, dass die Dinge sich so entwickelt haben, wie sie es taten.

Mein Name ist Tamim Koch – naja, zumindest sage ich das hier mal so – und in dieser Geschichte … ich möchte davon erzählen … Inhalt soll sein … ich weiß nicht, wie ich es sagen soll.
Mein Thema hier ist, was ich mit meiner Exfrau erlebe und erlebt habe. Im Bezug auf unsere Ehe, unserer beider Migrationshintergrund, die Geschichten, die ich in diesem und auch einfach in ihrem persönlichen Zusammenhang ohne irgendwelche migrationsspezifischen Gründe – erlebe.

Es fällt mir schwer den richtigen Anfang zu finden aber irgendwo muss ich beginnen also nehme ich das, was ich als Beginn empfinde:
Wir haben in einer Nacht- und Nebelaktion geheiratet.
Nicht aus Liebe, wie es manch ein Romantiker sich jetzt vielleicht vorstellt, sondern weil sie aus ihrem Elternhaus fliehen wollte, musste.

Ich sollte sie, die Frau, die ich an einem Dienstagnachmittag ehelichte, vielleicht vorstellen und auch wenn ich mich sehr bemühen muss nicht zu werten, werde ich nicht umhin kommen, dass es sicher etwas gefärbt ist.

In ihrem Elternhaus hat sie nie Liebe, sondern nur Gewalt und Intrigen erfahren. Gewalt durch ihre Eltern, an sich und ihren Geschwistern, Gewalt der Eltern untereinander, Gewalt durch und an Verwandten oder aus der Gesellschaft. Verbal wie physisch. Einen lieblosen Haushalt, in dem rücksichtslos geprügelt und geschimpft wurde, ungeachtet des Alters, Geschlechts oder sogar bestehender Schwangerschaften.

Ein Haushalt, in dem Worte wie „Ehre“ und „Respekt“ verdreht und zu autoritären Zwecken missbraucht wurden. Wo es galt, die Tochter zu prügeln, wenn sie auf dem Schulhof mit einem Jungen gesehen wurde – um
„die Ehre“ zu verteidigen.

Bevor ich sie kennengelernt hatte, war ich der Ansicht, dass es derartige Familien nur im Film gibt oder vielleicht in armen, ländlichen Gegenden, wo die Menschen keinen Kontakt zur Außenwelt pflegen, keine Einsicht in gesellschaftliche und moralische Vorstellungen haben, ungebildet sind. Eltern beschimpfen sich doch nicht gegenseitig. Oder zumindest nicht vor den Kindern. Und geschlagen wird sich im Ring oder, wenn die Parteien nicht besonders kommunikationsstark sind, auf der Straße. Aber zu Hause? Nein, wirklich nicht. Des Weiteren überlegte ich mir, wenn diese Sachen zustimmen sollten, so hat sie mir zu verstehen gegeben, dass es ihre Familie, unter der sie stark gelitten hat. Ich war der Ansicht, ich muss sie aus dieser Welt retten. War ich naiv? Vielleicht.