Widerwillens

(This post is also available in English: “Repugnance” )

Spreche ich davon, wie ich mit den Einflüssen der Welt auf mich umgehe, werde ich oft verwundert angesehen. Besonders im Bezug auf meine Einstellung zu Nachrichten oder dem, was wir als solche aufgedrückt bekommen.

Ich schaue keine Nachrichten. Nicht freiwillig. Kriege ich sie doch irgendwo widerwillens unter die Nase gerieben, erinnert es mich warum ich dabei bleiben werde.

Ich wage sogar zu behaupten, dass ich mit dieser Entscheidung besser lebe, als manch eine, die täglich stundenlang Nachrichten konsumiert. Vielleicht nicht am Stück. Aber von der morgendlichen Meldung die verfolgt wird, über den Ticker, der uns den ganzen Tag mit Eilmeldungen begleitet, bis zur abendlichen, ausführlichen Berichterstattung mit Hintergründen und bildreichem Material.

Was tut das mit uns? Mit mir tat es, dass es Probleme vergrößerte, die eigentlich keine oder nicht meine sind. Es richtet den Fokus auf Dinge, die nichts mit mir zu tun haben. Dinge, die sicher oft schlimm sind, doch an denen ich nichts ändern kann. Weder durch, noch ohne mein Wissen von ihrer Existenz. Sie machen mich traurig, wütend, krank.

Gründe dafür zu suchen, weshalb ich diese Nachrichten verfolgte wie alle anderen auch, erscheint mir müßig. Wahrscheinlich aus dem Grund, den mir jeder nennt, wenn ich sage, dass ich keine Nachrichten gucke: man will doch informiert sein. Heute sage ich: warum?

Was bringt es mir zu wissen, dass es in den USA wieder eine Schießerei in einer Schule gegeben hat? Es sorgt ausschließlich dafür, dass wir Angst davor kriegen, dass so etwas auch bei uns passiert.

Was hat es für einen Wert für mich zu wissen, dass die griechische Wirtschaft zusammenbricht und Deutschland eingreift? Macht das meinen Schlaf irgendwie angenehmer? Oder wird mein Schlaf dadurch angenehmer, dass ich so etwas weiß und mich darüber aufregen kann? Meiner Erfahrung nach nicht. Warum muss ich über ein solches Thema „mitreden“ können, dazu eine Meinung haben? Es gibt genug Halbwissende, „Experten“ und „Fachleute“, ohne dass ich meinen Senf dazu gebe.

Was hat es für einen Wert für mich, wenn mal wieder gezeigt wird, wie Menschen in Gaza von allen Seiten eingesperrt und systematisch ausgehungert werden? Ich kann es nicht ändern und Taten der Welt zu diesem Thema tragen nicht dazu bei, dass ich glaube, dass es Gerechtigkeit auf der Welt gibt.

Warum muss ich mir, um als informiert zu gelten, en Detail ansehen, wie Menschen auf aller Welt sich gegenseitig aus den idiotischsten Gründen abschlachten?
Was bringt es mir zu wissen, dass alle wissen, dass es Organisationen gibt, die systematisch seit Jahrhunderten Kinder missbrauchen und es Menschen gibt, die ihre Kinder trotzdem weiter dort hinschicken?

Und je deutlicher, je bildhafter es mir dargeboten wird, desto … besser?

Es hat keinen Wert für mich und mein Leben. Es zerstört mir mein Wohlbefinden und führt zu einem kranken Geist, der ständig das schlimmste befürchtet. Es führt dazu, dass wir Menschen nach den Taten anderer Menschen verurteilen, weil wir Rückschlüsse ziehen. Ich weiß all diese schlimmen Dinge selbst und ich kann nichts daran ändern, also ändere ich meine Einstellung zu diesen Einflüssen und jenen, die vom Verkauf dieses alltäglichen Hasses leben. Ich muss mich nicht dauernd daran erinnern lassen, danke.

Ich entlarve sie für mich. Ich höre ihrem Geschrei nicht mehr zu und halte mich fern von dem, was sie in mir erreichen wollen. Das Säen von Hass und Vorurteilen durch die klare Nennung von Zugehörigkeit. Es ist noch kein Opfer eines Attentats dadurch zurück gekommen, dass wir das Motiv des Täters nannten. Das ist vielleicht interessant für behandelnde Ärzte aber es ist schädlich für die meisten anderen Menschen. Ich halte mich fern von jenen, die predigen wie schlecht ich es angeblich habe, weil wir als Gemeinschaft anderen helfen, die Hilfe nötig haben. Ich hoffe niemals fliehen zu müssen.

Ich halte mich fern von jenen, die Neid und Missgunst unter den Menschen verbreiten und das unter dem Deckmantel der Information tun. Ich halte mich fern von jenen, die aus der detaillierten Darstellung alles Schlechten Profit schlagen.

Versuch es mal!

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2 Kommentare

  1. this!

    aber ab und zu bisschen was ueber den orangenen affen zu lesen ist eben auch eine form von entertainment. getarnt zwar, aber kein bisschen besser als gzsz.

    1. Da hast du Recht.
      Schwierig wird es dann, wenn Leute wie der Orange-Utan an Positionen sitzen, wo sie eine Gefahr darstellen. Da kann dann Entertainment ziemlich beängstigend werden.

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